Ich habe jetzt, zwölf Jahre nach meinem Schlaganfall und neun Stürzen in meiner Wohnung, folgende Hilfsmittel, um mich trotz Einarmigkeit, sicher fortbewegen zu können:
1.: Einen GEHSTOCK
Den bekam ich bereits in der Rehabilitation, für zehn Euro, ebenso wie eine „KNEIFZANGE“, für zehn Euro, um Dinge vom Fußboden aufzuheben, die ich täglich sehr intensiv nutze.
2. EIN STANDFAHRRAD
Nach meinem Schlaganfall tauschte ich meinen (bisherigen, aber jetzt zu hohen) Heimtrainer, gegen das niedrige Standfahrrad.

Ich habe bei mir festgestellt, dass ich es nur dann benutze, wenn ich es in meinen Alltag integriere, d.h. ein tägliches Ritual entwickele. Dazu nehme ich mir vor, mich täglich, mindestens 10 (inzwischen oft 20 oder 30) Minuten, damit zu bewegen. Es hilft mir sitzen zu bleiben, wenn ich mir unter YouTube in meinem Tablet Gedichte, Lieder oder kurze — neue Ausblicke, ist schon langweilig. Aber so bleibe ich länger sitzen und bekomme eine bessere Stimmung.
3.: Einen ROLLATOR, Marke TRIONIC
Schon bald, nach meinem Schlaganfall, musste ich feststellen (und habe es inzwischen auch akzeptiert), dass ich durch meine Einarmigkeit, keinen normalen Rollator händeln kann.
Denn, wenn der Mensch, der nur eine Hand nutzen kann, einen Rollator schiebt, fährt er im Kreis, aber nicht geradeaus.
Durch die Alltagshilfe, waren wir im Netz auf eine schwedische Firma gestoßen, die inzwischen für 800,—Euro, einen umgebauten Rollator für Einhänder anbietet. Stolperstein für mich war, dass mir die Krankenkasse ihn nicht zahlte, da ich damals keine Ahnung hatte, dass ich dafür eine ärztliche Verordnung und eine Pflegestufe brauchte. Ich kaufte ihn für 800,—Euro. Diese Kosten waren es mir aber wert und so lernte ich u.a. damit alleine meinen Müll herunterzubringen und kleine Spaziergänge in den Park zu machen.
Dadurch war ich ein wenig beweglicher und zufriedener geworden. Aber wie man auf dem Video sehen kann, das Schieben mit einer Hand bleibt anstrengend.
4. Einen Leichtmetall-SCHIEBEROLLSTUHL
Seit ich, fast nur noch zu Hause, im Rollstuhl sitze, wird mir bewusst, dass ich bei meinen Übungen verstärkt darauf achten muss, mein Becken zu mobilisieren, da ich sonst das Rückwärtsfahren nicht beherrsche und gegen Möbel stoße. Dazu gehört auch: Aufstehen und Hinsetzen üben.
Fakt ist, dass, ich, seitdem ich diesen Rolli habe, mich in meiner Wohnung wieder viel sicherer fühle. Ich konnte meine Angst reduzieren, wieder zu stürzen und es ist auch nicht wieder passiert.
Ich habe mich entschieden, diesen Brief immer dann, weiterzugeben, wenn ich einen neuen SCHIEBEHELFER bekomme.
Lieber Schiebehelfer, liebe Schiebehelferin, eine Frage, haben Sie Erfahrungen damit, einen Menschen im Rollstuhl zu schieben? Denn das SICHERE SCHIEBEN ist nicht selbstverständlich.
Ich mache beim Schieben jeweils KLARE ANSAGEN. Jede Veränderung bitte immer mit mir kommunizieren, denn ich habe einen anderen Blickwinkel als Sie als Schieber.
GRUNDSÄTZLICH ANSCHNALLEN BEI STUFEN, SCHWELLEN UND ANDEREN HÜRDEN, wie: Wurzeln, Tannenzapfen, Steine, mich niemals vorwärts hinüberschieben, sondern entweder außen herum fahren oder den Rolli rückwärts drehen.
Sie müssen wissen, jede Hürde macht mir sofort Angst.
BEISPIEL:
Geschäftseingang, mit einer Stufe entweder nachfragen, ob es eine Rampe gibt, mich rückwärts im Rolli hochziehen oder mich bitten auszusteigen. Auf keinen Fall, schnell, schnell handeln, ohne Ansage.
BEISPIEL:
Das gilt ebenso für meine schwere Haustür, mit Schwelle, mich nicht schnell hinüberschieben, sondern immer zuerst den Rolli rückwärts drehen…
BEISPIEL:
Niemals aus Spaß, eine Abkürzung, in Schlängellinien oder plötzlich ganz schnell fahren, das macht Ihnen sicher Spaß, aber mir macht es Angst.
VORSCHLAG:
Wir nehmen uns die Zeit für einen PERSPEKTIVWECHSEL, d.h. wir tauschen die Plätze.
Diese Vorgaben entsprechen dem ROLLSTUHL-FÜHRERSCHEIN, wie ihn z.B. das ROTE KREUZ anbietet.
5. Einen ELEKTROROLLSTUHL
Nach vielen weiteren Überlegungen, entschied ich mich mit meinen Helfern, dass ich zusätzlich noch einen Elektrorollstuhl haben wollte. Ich bekam ihn, als Leihgabe, durch die Krankenkasse finanziert. Es ist ein gebrauchter.
Als ich gerade anfing, damit begeistert hier in meiner Wohnung und im Flur herumzufahren, hatte ich einen schweren Ischiasanfall, später wurde festgestellt, ich hatte einen Bandscheibenvorfall.
Trotz dieses Dramas, war ich nun erfreut , dass ich diesen Elektrorolli hier stehen hatte, denn so konnte ich, relativ schmerzfrei, alleine herumfahren, sprich, auf die Toilette kommen. An meinem Bett steht ein Toilettenstuhl. Und so stellte ich die Toilettenschüssel auf meinen Rollstuhl und fuhr damit schmerzfrei zur Toilette. Daraus hätte man bestimmt einen Film machen können, aber vielleicht können Sie sich vorstellen, wie komisch das ausgesehen haben muss, mir machte es zunehmend Spaß.
Ich habe dann eine Woche lang, in der ich mich nicht bewegen konnte, hier intensiv mit dem Rolli geübt. Das war der große Vorteil dieses schmerzgeplagten Dramas. Vermutlich hätte ich mir zu „normalen“ Zeiten, ohne dieses zusätzliche Handikap, die intensive Schulung gar nicht „verordnet“.
Nachdem ich anfangs noch einige Möbel anfuhr, bin ich jetzt mit dem Rolli in der Wohnung gut unterwegs. Als die Schmerzen weniger wurden, erweiterte ich das Konzept für draußen: Ich komme jetzt, mit Begleitung, gut in den Park. Zusätzlich steckt hinten der Stock und so kann ich bei, einem kleinen Ausflug in den Park, abwechselnd beides üben: Fahren mit dem Elektrorolli und Gehen mit dem Stock. Ein sehr gutes, neues Konzept, das ich anhaltend weiter trainiere.
Das Hauptproblem bleibt wie immer der Fahrstuhl, der sehr eng ist. Aber diese „unendliche Geschichte“…dann ein anderes Mal.
ANEKDOTE:
Ich traf kürzlich im Park eine Kindergartengruppe. Eine 4Jährige beobachtete mich, blieb stehen und sagte: „Du hast es gut, du kannst sitzen, ich muss laufen.“ Tatsächlich, eine neue Perspektive eines klugen Kindes. Gerne hätte ich sie eingeladen, ein Stück mit mir gemeinsam zu fahren, aber ihre Erzieherin beendete unser gutes Gespräch.
Ihr Satz beschäftigt mich, bis heute. Es besteht nämlich bei „Gehern“ das Vorurteil, dass ich, als körperlich behinderte, alte Frau, an „den Rollstuhl gefesselt bin“. Ich erlebe das Fahren im Rollstuhl inzwischen aber als NEUE LEBENSQUALITÄT.
Und darum hab ich mir für ihn zwei Namen ausgedacht entweder er heißt STROMER oder SVOBODA, das ist tschechisch und bedeutet FREIHEIT.
(Es erinnerte mich an den Satz eines Kindes aus meiner Kindergartengruppe, der vor 60 Jahren zu mir sagte: „Du hast es gut, du kannst immer erziehen, ich muss brav sein.“)
Und die fetteste aller Fettschriftarten bewirkt was?
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