Hier zunächst zwei wichtige Aphorismen:
„Toleranz ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Stärke“.
Dalai Lama, 1935, Lehrer des Buddhismus.
„Da wir niemals das Gleiche denken und alle die Weisheit nur fragmentarisch aus verschiedenen Blickwinkeln sehen, ist die goldene Verhaltensregel, die gegenseitige Toleranz“.
Mahatma Gandhi, 1869-1948, indischer Pazifist.
SYNONYME sind u.a.: Milde, Nachsicht, Geduld, Rücksichtnahme, Friedfertigkeit…
Bei diesem Thema gehe ich einen neuen Weg und zitiere eine kurze Zusammenfassung, durch die KÜNSTLICHE INTELLIGENZ. (Ob es erlaubt ist, diese Kommentare hier zu veröffentlichen, weiß ich allerdings gar nicht, damit muss ich mich neu auseinandersetzen.)
„Menschen sind tolerant, wenn sie andere Meinungen gelten lassen. Sie dulden, dass andere Menschen anders leben, eine andere Religion als man selbst haben kann, anders kochen, andere Musik hören. Die Achtung von unterschiedlichen Meinungen, ist wichtig in einer Demokratie…“
„… Echte Toleranz bedeutet, sich der Unterschiedlichkeit bewusst zu sein, ohne diese zu bewerten. Es geht darum, andere Ansichten oder Verhaltensweisen nicht sofort als ‚falsch’ oder ‚richtig’ einzustufen, sondern vielmehr den Dialog zu suchen…“
Ich weiß natürlich, dass dieses Thema riesengroß ist und ich weiß natürlich auch, dass sich im Laufe der Menschheitsgeschichte schon immer Menschen in allen Religionen, und u.a. in der Philosophie, Pädagogik und Psychologie, damit befasst haben.
Es erstaunt mich nicht, zu sehen, dass es durch die aktuelle Weltlage in allen Bereichen dazu neue, umfassende Literatur gibt, s.u.
Ich werde hier aber nur bei den Themen bleiben, die ich heute beim Zusammenleben mit anderen Menschen, in meiner direkten Umgebung beobachten konnte. Mich interessiert, wo werde ich selbst im Alltag damit konfrontiert? Wo möchte ich lernen, tolerant zu sein und wo sollte ich mir auch zugestehen, dass ich intolerant bin?
Bei der Beschäftigung mit diesem Thema, stellte ich fest, dass ich in meinem direkten Umfeld umgeben bin, von friedlichen, kooperativen, gewaltfreien und höflichen Menschen.
Es ist mir bewusst, dass ich damit in einer privilegierten Situation bin.
Jetzt, beim gemeinsamen Älterwerden in meinem Umfeld, erlebe ich selbst als auch mein Gegenüber zahlreiche neue Herausforderungen. Ich stelle mir die Fragen: Wie gehen wir im Familien-und Freundeskreis mit diesem Thema um, denn ich beobachte, dass beide Seiten zunehmend damit Probleme haben, bedingt durch gesundheitliche oder mental veränderte Bedingungen?
Es ergeben sich dadurch jetzt, hin und wieder, neue Konfliktfelder, die wir vorher nicht hatten.
Zum Beispiel: Dass ich selbst oder der andere, einen Termin vergaß,
dass ich eine Verabredung falsch notiert hatte, aber darauf bestand, dass ich Recht hatte,
dass ich selbst nicht mehr geduldig zuhören konnte, da der andere vergessen hatte, dass er mir diese Geschichte doch schon einmal oder auch mehrfach erzählte.
Neugierde, Interesse, Wohlwollen und Akzeptanz am Leben des anderen, ist immer besser als herumnörgeln und schnelle Vorschläge machen, da diese oft nicht angemessen sind.
Sätze wie: „Nimm diese Tablette, die hat mir auch geholfen“ oder: „Ich weiß, dass die Salbe meiner Nachbarin, gegen ihre Rückenschmerzen geholfen haben.“
Das sind völlig überflüssige Kommentare.
Trotzdem muss ich lernen, offen zu sein sowohl für die mentale Veränderung beim anderen als auch bei mir selbst. Wir werden alle langsamer im Alter. In der Beurteilung einer Situation kommt es leichter zur Verurteilung .
Es gilt, kleine Abschiede wahrzunehmen, z. B., dass ich selbst oder der andere, nicht mehr derselbe ist, wie vor zehn Jahren. Wir sind jetzt nicht mehr so informiert, nicht mehr so belesen und nicht mehr so interessiert. Vielleicht sind wir auch nicht mehr so fürsorglich wie früher und das ist alles relativ normal. Das kann vom anderen auch als eine Kränkung verstanden werden.
Jede Seite muss versuchen, zu verstehen, warum das Gegenüber sich verändert.
Und es kann wichtig sein, klarere Verabredungen zu treffen, bzw. nochmals nachzufragen: „In meiner letzten mail steht, dass du am Sonntag zu mir kommst, was steht bei dir, kommst du mit Kuchen oder wollen wir nebenan ins Café gehen?
Denn Vorwürfe, wie: „Früher, ist das nicht passiert“ oder „Früher hast du mir besser zugehört und mich nicht unterbrochen“, bringen gar nichts, außer schlechter Stimmung.
Die häufigste, beidseitige Antwort auf eine Frage eines Gegenübers, ist nach meiner Beobachtung der Satz: „Tut mir leid, aber das habe ich vergessen.“
Ja, so ist es, das Vergessen im Alter nimmt zu.
Hier einige AKTUELLE LITERATURHINWEISE:
Richard David Precht, Das Jahrhundert der Toleranz, 2024.
Joachim Gauck, Toleranz, 2019.
Michael Schmidt-Salomon, Die Grenzen der Toleranz, Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen, 2016.
Dominik Balg, Leben und leben lassen, 2020.
Und ein Kinderbuch, ab 7 Jahren,
Eleonora Formasari, Zehn Ideen für mehr Toleranz, 2022.
Zurück zu meinen Erfahrungen:
Der aktuelle gesellschaftliche Umbruch in vielen Bereichen, führte dazu, dass ich mich, z. B. beim Umgang mit Corona Bedingungen, auseinandersetzen wollte. Obwohl ich schnell merkte, dass oft, eine ruhige Diskussion, von keiner Seite aus, machbar war. Auch ich war bald an vielen Stellen nicht mehr zur Kooperation bereit, da auch ich, andere Meinungen, nicht akzeptieren konnte. Nach einigen aggressiven Auseinandersetzungen und Bestehen meinerseits auf Einhaltung der jetzt vorgeschriebenen Hygienebedingungen, wurde mir klar, ich konnte mich mit einigen Helfern nicht einigen und zog die radikale Konsequenz und trennte mich.
Dasselbe schwierige Thema ist für uns alle, die Auseinandersetzung über politisch unterschiedliche Auffassungen, auch da musste ich die Erfahrung machen, dass ich, durch meine belastete gesundheitliche Situation, gar nicht mehr in der Lage war, für ruhige Auseinandersetzungen bereit zu sein.
Um einige freundschaftlichen Beziehungen aber nicht zu beenden, schlug ich, in einem offenen Gespräch, vor: „Ich weiß, dass wir unterschiedlicher Meinung sind, ich möchte mich auf keinen Fall von dir trennen. Aber ich will auch nicht von dir aggressiv belehrt werden, dass ich die falsche Sichtweise habe.“
Wir konnten uns friedlich darauf einigen, dass wir unsere unterschiedlichen Meinungen stehen lassen konnten und so können wir, trotz alledem, weiter eng befreundet sein.
Mein aktuelles Beispiel: Ich war kürzlich im Krankenhaus und wurde dort insgesamt sehr gut versorgt, aber ich war mit einer Bettnachbarin, direkt neben mir, konfrontiert. Diese wurde in der Nacht ins Zimmer geschoben und sofort wurde klar, dass sie permanent von allen Pflegekräften sofortige Hilfe erwartete. Sie klingelte laufend und schrie die Helfer lautstark an, wenn sie nicht sofort kamen. Z. B. wollte sie, dass man für sie generell nachts das Licht anlassen und die Zimmertür offen lassen sollte. Sie schnarchte zwar nicht, hustete aber in permanenten Intervallen.
Was war für mich in der Situation richtig? Abwarten? Konfrontieren? Schweigen?
Oder Auseinandersetzen?
Da ich weder mit höflicher Bitte, Rücksicht auf uns beiden Bettnachbarinnen, zu nehmen noch ebenfalls laut um Ruhe zu bitten, Erfolg hatte und ich sowieso nicht schlafen konnte, entschied ich mich, nach weiteren extremen Störungen, die Helfer zu bitten, ihr ein Schlafmittel zu geben und schrieb meine ohnmächtige Wut in mein iPad. Beides half und die zweite Nachthälfte, war dann erträglicher.
Aber eines weiß ich, bei einem weiteren Krankenhausaufenthalt würde ich bitten, mich in den Flur zu schieben, um eine ruhige Nacht zu haben. Diese Idee war mir, in der aktuellen Situation, gar nicht gekommen.
Ich weiß heute, wenn ich durch Mitmenschen von ständiger Intoleranz umgeben bin, möchte ich mir trotzdem ein Umfeld schaffen, dass für mich gut und richtig ist.
Für den Umgang mit menschlichem Verhalten, ist das Thema Toleranz keine Selbstverständlichkeit, denn Nachsicht, Respekt und Freundlichkeit gegenüber anderen, beginnt schon im Kleinen, wie mein Beispiel aus dem Krankenhaus zeigt.
Ich weiß natürlich, dass dieses Thema noch viele tiefergehende Aspekte hat.
Zum Schluss, ein Satz eines unbekannten Autors:
„Toleranz darf nicht dazu führen, dass ich mir alles gefallen lasse.“