Kur, zu Hause

Nach einer monatelangen Zeit des Stillstandes, bedingt durch zusätzlichen Ausfall der rechten Körperseite (Unfall), wurde mir schmerzhaft bewusst, ich sitze nur noch zu Hause im Rollstuhl und komme überhaupt nicht vor die Tür. Ich fahre sogar in der Wohnung mit dem Rolli auf die Toilette, aus Angst vor weiteren Stürzen.

Ich begann mit mir zu diskutieren, dass ich aber doch fehlende Bewegungen, hier in der Wohnung als behinderte Seniorin, auch alleine mobilisieren könnte.

So habe ich mich entschlossen 2, 3, 4 Wochen lang zu Hause EINE KUR zu machen.

Ich war fasziniert, was ich dazu für konstruktive Vorschläge im Netz gefunden habe.

Ich fand u.a. eine Idee, die mich sehr überzeugte, sehr gut. Sie nennt sich:

„BLEIB FIT, MACH MIT.“

Es sind jeweils kleine Bewegungseinheiten von 10-20 Minuten, speziell für Senioren entwickelt.

Die Themen dieser Videos fand ich unter YOUTUBE.

Sie sind nicht zeitlich gebunden. Ich kann sie mir also immer dann anstellen, wann ich Lust und Zeit habe, wie z. B.:

„FIT IM ALTER“

„SANFTE BEWEGUNGEN, IM SITZEN“

„BEINE Kräftigen, IM STEHEN“

„STURZFREI DURCHS LEBEN“

Mich haben diese Übungen, angeleitet von freundlichen, höflichen und ermutigenden Physiotherapeuten, hoch motiviert. Also, genau das, was ich jetzt brauche, um wieder Freude und Ausdauer für meine Bewegungen zu bekommen.

Ich habe mich dann daran gemacht, eine TÄGLICHE PLANUNG zu erstellen. Eine Helferin machte daraus für mich eine EXCEL-TABELLE.

Ich merkte sehr schnell, ja, das ist mein Niveau, denn es ist in meiner schönen Wohnung möglich. Ich muss sie nicht verlassen, da ich das alleine auch noch gar nicht wieder kann. Ich kann mir zwischendurch mal einen Kaffee kochen, mein Mittagessen machen…

Die Bewegungen mache ich in Ruhe, sicher im Rollstuhl sitzend oder davor stehend, der jeweils mit der Bremse festgestellt ist, so dass es keine Gefährdung gibt, zu stürzen. Denn Stürze (insgesamt neun) sind bei mir noch immer Angstbesetzt.

In mein Programm habe ich auch die BEHANDLUNG MEINER FÜßE aufgenommen. Denn ich habe, seit Corona, Neuropathie-Schmerzen in den Füßen. Dafür habe ich mir jetzt eine Maschine angeschafft, manche kennen das „Tens-Gerät“, vielleicht auch unter dem Begriff „Fußmassage-Gerät“. Das stelle ich, jeden zweiten Tage, für eine halbe Stunde an und merke, dass meine Schmerzen in den Füßen wirklich sehr viel weniger geworden sind.

ATEMÜBUNGEN mache ich immer dann, wenn ich merke, ich bin innerlich im Stress und das kann ruhig mehrere Male am Tage sein, mit dem System 4, 4, 8.

(Das bedeutet: 4 sec einatmen, 4 sec Luft anhalten und 8 Sec ausatmen.)

Ergänzend kommt das tägliche RADFAHREN, auf dem Standrad hinzu, zur Stabilisierung meines Blutdrucks.

Was ich parallel noch nicht wieder mache, dass ist das GEHEN MIT DEM STOCK, denn meine rechte Hand ist immer noch nicht in der Lage, den Faust-Schluss zu schaffen, so dass ich dadurch verunsichert bin. Um mich aktuell nicht zu überfordern, werde ich das Üben erst noch weiter hinausschieben.

So, nun bin ich mal sehr gespannt, ob ich diese Entscheidung für meine häusliche Kur auch durchhalte, motiviert bin ich sehr, denn die Vorstellung, dass ich bereits jetzt, mit 82 Jahre, schon fest im Rollstuhl sitze, hat mich jetzt doch in die Aktivität getrieben und ich glaube, dass diese Lösung mein Weg ist, das wird sicher nicht jedem gefallen oder?

ARZTBESUCHE sind, grundsätzlich nur machbar, wenn eine Praxis Rollstuhlgerecht ist. Mein Vorschlag ist es, am Telefon immer erfragen, ob es Stufen gibt, ich habe es gerade est wieder erlebt, dass die Angaben im Netz falsch waren, denn die Praxis war gar nicht Rollstuhlgerecht.

ARZTBESUCHE daraufhin ansehen, ob und wie ich den Weg dorthin im Rollstuhl bewältigen kann. Z.B. welche Form der Begleitung ist notwendig? Den Weg mit Bus, Bahn oder Taxi vorher üben.

Komme ich dorthin mit Freunden/Familie/Nachbarn, mit Auto, Bus, Taxi? Oder brauche ich einen Transportschein, durch die Krankenkasse oder einen Krankentransport?

Das Angebot der DIAKONIE nennt man MOBILITÄTSHILFEDIENST und umfasst regelmäßig einen Termin pro Woche. Es ist eine Unterstützung für ältere oder behinderte Menschen, über 60 Jahre, außerhalb der eigenen Wohnung, die sowohl für Arztbesuche als auch für kulturelle Veranstaltungen oder Spaziergänge Begleitung brauchen. Unkosten, pro Jahr 40,—Euro.

Es ist eine wunderbare Hilfe, die noch lange nicht jedem bekannt ist, unter dem Motto:

„DRAUßEN SPIELT DAS LEBEN UND WIR BRINGEN SIE HIN.“

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