Dieses Thema beschäftigt mich intensiv, seit ich bei meinem allmählichen Älter-Werden und dadurch zunehmenden Einschränkungen, oft die schnelle „Empfehlung“ bekomme:
„Da musst du nur etwas Geduld haben.“
Von daher bin ich immer wieder auf der Suche nach anderen Ausdrücken und freue mich, dass ich einen wunderbar positiven und damit für mich passenderen Spruch gefunden habe: ENTDECKUNG DER LANGSAMKEIT.
(Das ist zwar der Titel des Romans von Sten Nadolny, erschienen 1987, ist aber inzwischen in den normalen Sprachgebrauch übergegangen.)
Ich empfinde den Begriff als sehr viel passender, da er für mich nicht aggressiv, sondern positiv besetzt ist, bedeutet er doch eher: Gelassenheit, Seelenruhe oder Beschaulichkeit.
Für andere ist er vielleicht eher negativ besetzt, mit: Stumpfsinn, Bummelei, Apathie, Schlendrian, Schlafmützig-oder Nachlässigkeit.
Mein AKTUELLES BEISPIEL: Meine linke Seite ist, aufgrund des Schlaganfalls, noch immer nicht voll aktionsfähig und nun bekam ich, vor fünf Monaten, durch einen aggressiven Taxifahrer, zusätzlich den rechten Arm so gerissen, dass ich seitdem eine schmerzhafte Muskelzerrung erlitten habe. Das bedeutet, ich bin zusätzlich im Alltag, sprich im Haushalt, noch stärker als bisher eingeschränkt.
Kommentar der Ärztin: „Mit Schmerzen werden sie vermutlich Monate zu tun haben. Darauf müssen sie sich einstellen, aber eine Operation macht keinen Sinn, schonen sie den Arm und haben sie Geduld.“
O-Ton von Helfern und Freunden ebenfalls: „Da hilft nur Geduld zu haben.“ Ich nehme bei mir zunehmend und anhaltend Wut wahr, auf diese schnellen Antworten. Ich nenne es jetzt (heimlich) das UNWORT DES JAHRES und darum begann ich mich theoretisch mit diesem Thema zu beschäftigen.
Klar weiß ich schon lange, viele Dinge im Alltag wie z.B. Warten auf einen Arzttermin, Warteschleife beim Telefonat mit dem Amt oder Warten auf einen Termin mit einem Handwerker, erfordern heute viel Geduld.
Dazu kommt oft fehlendes Verständnis von Menschen im direkten Umfeld und Einschränkungen der körperlichen Behinderung, alles führt bei mir oft zu Ungeduld.
Diese Themen haben insgesamt ein sehr schlechtes Image, obwohl es kaum jemanden im Erwachsenen-Leben geben wird, der die Gefühle dazu nicht kennt.
Da, wieder einmal, auch dieses Thema unglaublich umfassend ist, habe ich mich entschieden, mich hier auf Gedankensplitter der aktuellen Psychologie-Forschungen zu beschränken.
Aber vorher noch ein Ausdruck von Hermann Hesse, dem sicher die meisten Menschen zustimmen werden: „Geduld ist das Schwerste und das Einzige, was zu lernen sich lohnt.“
GEDULD bedeutet u.a.: Ausdauer, Passivität, und Leiden. Da die Geduld so schwierig ist, wird sie oft als Tugend angesehen, verbunden mit Hoffnung, Toleranz und Selbstbeherrschung. ICH KANN GEDULD MIT ANDEREN, ABER AUCH MIT MIR SELBST UND MIT DINGEN HABEN.
Sind wir geduldig, können wir besser auf die Bedürfnisse anderer Menschen eingehen und dadurch Konflikte vermeiden. Geduldige Menschen sind in der Regel einfühlsamer, verständnisvoller und haben harmonischere zwischenmenschliche Beziehungen.
Heute spricht man eher von ACHTSAMKEIT.
Zu diesem Thema gibt es im Netz Unmengen von Angeboten wie „Achtsamkeitsübungen gegen Ungeduld“ Oder „Wie lerne ich Gelassenheit?“ Oder „Wie kann ich Ungeduld in Geduld verwandeln?“…
Eine Möglichkeit, Geduld zu lernen, ist MEDITATION.
Ich kann mit dieser Technik lernen, mich auf den Moment zu konzentrieren und ihn zu genießen und damit die Tugend der Geduld weiter kultivieren. Das zu lernen, dafür ist es nie zu spät.
Ich beobachte, dass ZUFRIEDENE MENSCHEN im Alter, insgesamt besser zuhören, einfühlsamer für die Probleme anderer sind, neugierig bleiben und trotz mentaler und körperlicher Einschränkungen bereit sind, das eigene Verhalten noch zu reflektieren.
Das Gegenteil von Geduld ist UNGEDULD, sie ist die Unfähigkeit Unvollkommenheit zu ertragen. Sie kann dadurch einerseits der Grund für destruktives Handeln sein, andererseits führt sie auch zum Aufschieben ungeliebter Tätigkeiten, was wiederum zu Frustrationen führt.
Da ich die Idee genial finde, hin und wieder zu versuchen, mit HUMOR auf Stress, sprich Ungeduld, zu reagieren, versuche ich diesem insgesamt sehr schwierigen Thema, etwas Positives entgegenzustellen.
Obwohl die Hauptstädter oft mit ihrem Dialekt hadern (in West-Berlin galt es als unfein, frei nach Schnauze zu berlinern, in Ost-Berlin dagegen berlinerte man in allen Schichten), habe ich zum Thema Geduld einige Sprüche herausgesucht, um mit einer humorvollen Sicht auf dieses Thema zu schließen.
Wenn man sich über einen anderen ärgert, heißt es dann: „DET IS MIR ZU BLÖD, DA KIEKSTE, WA?“
Wenn jemand sehr langsam ist: „NU ABER RAN AN DIE BULETTEN.“
Wenn jemand zu hektisch ist: „WIR SIND DOCH NICH AUF DER FLUCHT.“
Der herzliche, aber oft auch derbe Berliner Humor, zeigt sich z. B. auch so:
„WO IST EIGENTLICH DIE EINFÄDELHILF FÜR DEN GEDULDSFADEN?“
HAB ICK VON BOCKWURSCHT JEREDET, DET DU DEINEN SENF DAZU JIBST?“
„DUMM JEBOREN, NÜSCHT DAZUJELERNT UND DEN REST VERJESSEN.“