„Normaler Alltag“Tägliches Auf und Ab der Gefühle und Aufgaben

Ich schreibe, zufällig herausgesucht, noch einmal über den „normalen“ Alltag, denn darüber gibt es täglich Neues zu berichten.

Ich bin immer ganz erstaunt, wenn ich nach Monaten, meine Texte noch einmal lese, dass ich mich teilweise kaum noch daran erinnern kann, dass ich sie selbst erlebt und aufgeschrieben habe.

Ich versuche jeweils sowohl einen negativen Aspekt kritisch zu beleuchten als auch einen positiven zu finden.

Erster Tag:

Um 9.00 Uhr bekam ich den Anruf einer Ärztin, die sich bei mir entschuldigte…Sie reagierte auf meine gestrige Mail, in der ich mich von ihr verabschiedet hatte, da ich mich mehrmals nicht verstanden gefühlt hatte.

Ich hätte außerdem, bei ihr erst in fünf Monaten, einen neuen Termin bekommen und dadurch weiterhin die völlig ungeklärten Schmerzattacken ertragen müssen. Das konnte sie nachvollziehen und wir haben uns höflich verabschiedet.

Ein völlig ungewöhnlicher, aber insgesamt sehr positiver Einstieg in einen ganz „normalen“ Alltag.

Das bedeutete gleichzeitig, mir den Stress anzutun, eine neue Ärztin suchen zu müssen. Der Erfolg des Tages war, dass mir das, mit Unterstützung einer Helferin, gut gelungen ist, denn ich bekam tatsächlich über Doctolib einen Termin, in drei Wochen.

Und dann noch ein weiterer Erfolg: Mein Physio-Therapeut beklebte mein neues Telefon mit Leder. Denn es war glitschig und war mir mehrfach heruntergefallen. Darum waren die Batterien herausgefallen und ich dachte, ich hätte tagelang kein funktionierendes Telefon.

Ich freute mich riesig über diese kreative Lösung, die jetzt gut und damit für mich entspannt funktionierte.

Ein weiteres Stress-Thema: Seit Wochen kämpften mein Helfer und ich mit meinem neuen Rollstuhl und deren extrem schlechten Bremsen. Nachdem er fast jeden wöchentlichen Hilfe-Termin damit zubrachte, ihn zu reparieren, entschieden wir uns, folgende Mail an die Rollstuhl-Firma zu schreiben:„…Die Bremsen machen mir, inzwischen auf beiden Seiten, anhaltend, riesengroße Probleme. Es besteht eine große Dringlichkeit, die Systeme so einzustellen, dass ich, die einseitig gelähmt bin, alleine lebe und nicht täglich intensive Betreuung habe, um immer wieder meinen Rollstuhl richtig einstellen zu lassen. Mein Helfer, der sich intensiv darum bemüht hat, ist auch der Meinung, dass dieser Rollstuhl eine für mich zu große Gefährdung, sprich Unfallgefahr, ist. Tatsache ist, dass, wenn er die Bremsen eingestellt hat, diese sich schon innerhalb der nächsten Tage, wieder umgestellt haben entweder sind sie zu fest auf der einen oder zu locker auf der anderen Seite.“

(Selbstgespräch an diesem Tag: ‚Denk später daran, dir zur Belohnung etwas Leckeres zu kochen’, was ich am Abend tatsächlich auch tat.)

(Trotz alledem, die erfolgreiche Beseitigung dieses Themas zog sich, dann dank einer Profiwerkstatt noch Wochen hin.)

Zweiter Tag:

Zunächst hatte ich einen schlechten Einstieg in den Tag, durch einen negativen Auseinander-Setzungs-Traum.

Meine Planung für den heutigen Tag war es, Übungen zu machen, aber die Stimmung blieb schlecht, so dass ich diese ‚vergaß.‘

Abends hatte ich wieder einmal, die von mir so geliebte und anhaltend hilfreiche Sendung der ERNÄHRUNGSDOCS im Fernsehen gesehen. Und ich entdeckte, dass es von ihnen u.a. jeweils auch Apps zu folgenden Themen gibt: HISTAMIN-UNVERTRÄGLICHKEIT und ARTHROSE (meine beiden Dauerthemen.) Dort bekam ich viele neue Informationen und Anregungen, da ich mich sofort verführen ließ, diese anzuklicken. Und damit verlief der Abend dann doch noch positiv.

Hier schiebe ich die Frage ein: WAS IST EINE APP? (Denn das wußte ich bis dahin auch nicht.) Eine App ist ein Computer-Programm, das auf einem Telefon, Smart-Phone, Tablet oder einer Uhr abgerufen werden kann. (Von wem, weiß ich nicht.) Es gibt Apps in den verschiedensten Bereichen, wie z. B. in der Medizin: Hilfestellungen für Diabetiker-oder Schlaganfall-Patienten.

Die meisten Apps sind kostenlos, aber VORSICHT, sie könnten u. U. auch gegen Bezahlung gekauft werden.

Auch hier empfehle ich, sich Hilfe beim Profi zu holen.

Ich konnte mir dann abends, für diesen gelungenen Tag, selbst Anerkennung geben und schlief zufrieden ein.

Dritter Tag:

Ich wachte durch extreme Schmerzen in der rechten Hand auf und reagierte mit Hilflosigkeit beim Anziehen. Stress entsteht bei mir dann zusätzlich durch häufiges Herunterfallen verschiedener Gegenstände, da die Hand nicht mehr zugreifen kann. Aufheben geht dann nur mit Hilfe des Greifers.

Um wieder in eine bessere Stimmung zu kommen, plante ich ein einfaches Mittagessen, mit Tiefkühl-Broccoli und Ziegenkäse.

Tagsüber freute ich mich schon auf einen neuen Roman, der mir empfohlen worden war. Denn unter KINDLE UMSONST fand ich:

Elena Eden, Der Garten der Harfe.

Im Laufe des Tages fiel mir auf: ‚Ich habe bisher noch mit keinem Menschen geredet’ und darum öffnete ich meine Wohnungstür und schon bald hatte ich ein kurzes Gespräch mit einer freundlichen Nachbarin, die zufällig vorbeikam…

Die gute Stimmung hielt aber nicht lange an, da ich WUT AUF DEN PAKETBOTEN bekam. Als es klingelte, sagte ich zu ihm: „Sie müssen in den Fahrstuhl, rechts und dort auf die 1 drücken.“ Da er meine Erklärung gar nicht abwartete, sondern nur heftig gegen die Tür drückte und ins Haus hinein stürzte, ahnte ich schon, dass es, mal wieder, Probleme geben würde. Und so war es dann auch. Als er (nach einer längeren Zeit), aus dem Fahrstuhl gerannt kam, schrie er mich an: „I don’t understand, speak english with me“, drückte mir das Paket in die Hand und stürzte davon. Es war, zu meinem Erstaunen, tatsächlich mein Paket. Er wird vermutlich, hektisch im ganzen Haus nach meinem Namen gesucht haben. Ich war dieses Mal zwar nicht wütend, eher voller Mitleid, wie schlecht er für diesen Job geschult war.

Das ebook, verhalf mir dann dazu, nach stundenlangem Lesen des spannenden Romans, befriedigt einzuschlafen.

Und so oder so ähnlich, sowohl mit negativen wie positiven Aspekten, lebe ich heute mein (oft eingeschränktes) Leben.

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