Lieblingsessen aus der Kindheit

Erinnerungen vieler Biografen an die Großmutter und Mutter, sind fast immer verknüpft mit sich wiederholenden Ritualen und bestimmtem Lieblings-Essen in der Kindheit. Sie haben damit einen hohen emotionalen Wert, sagt die Neurowissenschaft, da sie langfristig gespeichert sind und jederzeit wieder abgerufen werden können.

Viele erinnern sich gerne sowohl an die liebevolle Großmutter oder Mutter als auch an die Düfte, den Geschmack und die Auswahl bestimmter Speisen.

Da ich selbst keine Erinnerungen an Großeltern habe, ist es bei mir meine Mutter, an deren Essen, ich mich aus der Kindheit sehr gut erinnern kann. Diese Rezepte verschwanden dann oft in den fünfziger Jahren. Mit dem aufblühenden Wohlstand wollten die Menschen die Zeit des Hungers vergessen und so entstand in den folgenden Jahren eine Küchen-Kultur, die das in den Mittelpunkt rückte, was in den Kriegs-und Nachkriegsjahren Mangelware war: Fleisch, Zucker, Fett und Kohlenhydrate.

Es ist kein Zufall, dass i c h  nur die süßen Nachspeisen positiv erinnere, aber nicht die diversen Gemüsesorten, das Fleisch, den Fisch, die ich alle nicht mochte, aber essen musste.

Mutter: „Es ist zu schade, sie dazu zu zwingen“ und sie machte mir ausnahmsweise wortlos ein Rührei. Das galt auch für Weihnachten, als es Kaninchen gab…

Das Leberwurstbrot für die Schule, was ich auch nie mochte, warf ich über einen langen Zeitraum hinweg, heimlich mittags nach der Schule in das unbebaute Nachbargrundstück.

Meine Lieblingsspeisen waren diese drei:

QUARKKEULCHEN

ARME RITTER

PFANNKUCHEN MIT BLAUBEEREN

Durch meine schwere Krankheit habe ich bei mir diese Erinnerungen mobilisiert und so entstand die Idee, mit meiner Ergotherapeutin (die mich einmal wöchentlich in der Wohnung besucht, um mit mir an meinen beiden steifen Händen zu arbeiten), diese Speisen gemeinsam nachzumachen.

QUARKKEULCHEN, -käulchen oder -Kugel, Name anders, je nach Landschaft.

Rezept aus Thüringen:

700 Gramm abgekühlte Pellkartoffeln

150 Gramm Mehl

200 Gramm Speisequark

2 Eier

Zimt und Zucker

Obstkompott

ARME RITTER, einfache Speise aus altem Weißbrot. Regionale Bezeichnungen: Semmelschmarn, Kartäuserklöße, Fotzelschnitten…

Diese waren bereits im Römischen Reich bekannt. Das älteste schriftlich übermittelte deutschsprachige Rezept, steht bereits im „Buch von guter Speise,“, aus dem 14. Jahrhundert, zitiert nach den Gebrüdern Grimm: „Snit denne aht snitten arme ritter und backe die in smalze nicht zu trüge“.

Rezept:

Halbiertes Brötchen oder Weißbrot, einweichen in Milch oder Rahm, mit Eiern, in Fett anbraten. Zucker, Vanille oder Salz dazugeben. Pflaumenmus oder Konfitüre.

PFANNKUCHEN, MIT BLAUBEEREN, gab es damals nur im Sommer, nachdem wir alle sie gemeinsam im Wald gesammelt hatten. Verwöhnung anschließend durch die Mutter, die für alle Personen (sprich sechs), allein in der Küche stand, um zahlreiche Pfannkuchen zu backen, auf die am Schluss Blaubeeren gestreut wurden. Natürlich kam damals obendrauf noch Zucker.

(40 Jahre später empörte ich mich, als mir Eltern in den Kindergarten zu Weihnachten Erdbeeren brachten. Damals sehr ungewöhnlich, heute durch Tiefkühlkost im ganzen Jahr normal.

Diese gemeinsamen Aktionen schafften in den letzten Wochen zwischen der Ergotherapeutin und mir eine sehr gute Stimmung und ließen uns das gemeinsame Essen genießen. Sicher haben Sie dazu ebenfalls eigene Erinnerungen oder?

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