Vergessen

„Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein, macht es erträglich“.

Honore de Balzac, Dichter, 1799-1850.

Ja, nach einem Schlag-Anfall und dem zusätzlichen Älter-Werden, LASSEN BESTIMMTE FÄHIGKEITEN UND FUNKTIONEN NACH, wie REAKTIONSGESCHWINDIGKEIT, KONZENTRATION, AUFMERKSAMKEIT und GEISTIGE FLEXIBILITÄT. Das ist VÖLLIG NORMAL und darum besteht kein Grund zur Beunruhigung.

Lange, bevor ich bei mir und anderen, die ein oder andere neue Verhaltensweise beobachten konnte, las ich sowohl diverse wissenschaftliche, medizinische, psychologische als auch humorvolle Bücher zu diesem Thema, (siehe dazu auch meine Literaturempfehlungen im Blog). Außerdem begann ich mich im Freundes- und Bekanntenkreis darüber auch aktiv auszutauschen. Ich suchte nach Anregungen, um frühzeitig genug aktiv zu bleiben.

Die Angst, im Alter dement zu werden, kennt vermutlich jeder.

Warnsignale könnten z. B. sein: Das komplexere Alltagsaufgaben wie Telefonbeantragungen, Bankkonto führen, Arzt-Termine machen…nicht mehr, ohne Unterstützung zu bewältigen sind. Der eine reagiert darauf evtl. hilflos, der andere aggressiv. Dahinter stecken Schamgefühle und Angst vor dem Verlust der Selbstständigkeit.

Das emotionale Gleichgewicht kommt durcheinander. Die Symptome sind sehr unterschiedlich. Vor allem zeigen sich Lücken im Kurzzeitgedächtnis. Sinkende Aufmerksamkeit, Vergessen bisher mühelos gelungener Fähigkeiten und Konzentrationsprobleme, nimmt die Umwelt zwar wahr, diese Themen werden aber oft (zu lange) tabuisiert.

WAS TUN?

  1. ERNÄHRUNGS-UMSTELLUNG, d.h. Versorgung mit variantenreichen

Kombinationen von Gemüsen, wenig Fleisch und Fisch, Nüsse, gutes Öl, Kräuter, kein Alkohol, viele Vitamine, Minerale, Eiweiß, aber keinen Zucker, nur wenig Salz. (Nähere Infos, siehe Ernährungsdocs)

  1. BEWEGUNG, sprich Physio- und Ergotherapie, tägliche Übungen
  2. SOZIALKONTAKTE und vielseitiges Gehirnjogging…

Es folgen mehrere persönliche ANEKDOTEN, die vermutlich jeder ergänzen könnte, da sie ihm ebenfalls schon passiert sind.

„Ich war schon am FAHRSTUHL, als mir einfiel: ‚Du hattest dir doch für heute vorgenommen, dich in den Elektrorollstuhl zu setzen, um weiter zu üben.‘ Da ich aber gestresst war, stand ich mit dem Stock davor und fuhr herunter. Unten erinnerte ich mich plötzlich an mein Vorhaben, fuhr wieder hoch, wusste aber nicht mehr, was ich dort wollte. Ich zwang mich in Ruhe nachzudenken, dann fiel es mir wieder ein. Also neuer Anlauf. Als ich dann endlich im Rollstuhl im Park stand, war ich entspannt und mit mir zufrieden.“

„Andere Themen, die in ähnlicher Art jeder ältere Mensch kennt, sind Termine. Ich vergesse sie zunehmend, sie stehen zwar im Kalender, aber schon mal mit falschem Datum. Oder ich sehe morgens nicht in den KALENDER, weil ich doch sicher war, ich weiß Bescheid. Meine bisher verrückteste Variante: Im Kalender standen an einem Tag zwei verschiedene Termine. Beim Rückruf in der Arztpraxis, konnten wir darüber gemeinsam herzlich lachen.“

„Erst neulich suchte ich meinen wichtigsten Begleiter, meinen TERMINKALENDER. Ich schreibe meine Termine, immer noch mit der Hand. Total hektisch suchte ich an allen möglichen Stellen, auch in Schubladen, Regalen, im Bett…, fand ihn aber nicht. Meine Horrorvision, ich vermutete ihn schon im Müll, und darum begann ich die Termine der nächsten Woche aufzuschreiben, an die ich mich erinnern konnte.

Dann setzte ich mich endlich in Ruhe hin und versuchte nachzudenken: gestern hatte ich ihn noch, wer war gestern hier zu Besuch, war ich im Park? Und dann, endlich, schüttelte ich, noch einmal, die Bettdecke auf und da lag er.Mein Vorsatz für das nächste Mal: ‚Lege ihn grundsätzlich immer an dieselbe Stelle.‘“

Noch liegt die Brille bei mir nicht im Kühlschrank, noch ist nur ab und zu die Schere in der Schublade, statt am immer gleichen Haken. Noch erinnere ich Blumennamen, Filmtitel oder Jahreszahlen, zwar oft nicht mehr sofort. Aber auch da gilt wieder mein Motto: ‚Entdeckung der Langsamkeit.‘ Denn tatsächlich, oft kommen, zwar verzögert, aber doch noch regelmäßig Erinnerungen wieder hoch.“

„Meine bisher humorvollste Variante: SCHLÜSSEL WASCHEN, IN DER WASCHMASCHINE. Ich war zum Kaffeetrinken bei der Nachbarin eingeladen. Ich griff zum Schlüsselbrett, um die Tür abzuschließen, aber da war kein Wohnungsschlüssel. Panik, wo war er? Nach einigem Nachdenken fiel mir ein, dass ich an diesem Tag zum Briefkasten gegangen war und, entgegen meines üblichen Rituals, hatte ich die Tür offen stehen gelassen. Und erst jetzt, als ich danach greifen wollte, realisierte ich, der Schlüssel war nicht mehr da. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich kurz vorher meine Hose gewechselt hatte, da die andere Hose einen Fleck hatte. Ich hatte sie in die Maschine gelegt und diese auch sofort angestellt.

Zum Glück fiel mir dann ein, ich habe doch an der Wohnungstür mein Schlüsselkästchen, mit Code-Nummer. (Dieses Verfahren hatte auch der Nachbarin schon mehrfach den Zutritt zu ihrer Wohnung möglich gemacht. Ich war bisher immer stolz gewesen, es bisher noch nicht gebraucht zu haben.

Wir öffneten mit der Code- Nummer meine Wohnungstür und ich ging sofort zielgerichtet auf meine Waschmaschine zu. Und tatsächlich, nachdem ich die Maschine ausgestellt hatte, fand ich dort den Schlüssel.“Diese Situation zeigte mir wieder mal sehr deutlich. Ich muss NUR meine bewährten Rituale einhalten, damit mache ich mir das Leben insgesamt stressfreier.“ Die allgemein bekannte SUCHE NACH DER BRILLE, wird vermutlich jeder kennen.

„Neulich suchte ich tagelang nach meiner Brille. Nach vergeblicher Suche in meiner Zwei-Zimmer-Wohnung, bat ich zusätzlich alle Helfer ebenfalls darauf zu achten, ob sie ihr begegnen. Eine Woche, ohne Erfolg. Zufällig fand ich sie aber dann in einer Schublade, an einem völlig ungewöhnlichen Platz.

Daraufhin entwickelte ich ein neues Konzept.: Da ich drei halbe Lesebrillen habe, ist jetzt jeweils eine in der kleinen Umhängetasche, in der sowohl mein aufgeladenes Telefon (für evtl. Unterstützung, falls ich hilflos auf dem Boden liege) als auch eine Brille steckt, die ich mir tagsüber IMMER umhänge und nachts ans Bett lege.

Die zweite, liegt immer am Bett und die dritte in der Küchenschublade, da ich dort auch schreibe. Das Verfahren hat tatsächlich meine dauernde Suche minimiert.“

„NOTKNOPF-ARIE, ja es ist allgemein bekannt, dass diese Hilfe jedem älteren oder behinderten Menschen empfohlen wird, um bei evtl. Stürzen, sofort Hilfe zu bekommen. Ich musste diese Erfahrung erst durch einem schweren Sturz machen, mit anschließendem Krankenhaus-Aufenthalt.

Ich selbst trage meinen Notruf-Knopf jetzt immer am Hals, da ich damit vorher, am Handgelenk, immer wieder einen Alarm ausgelöst hatte.“

„SCHIEBEDIENST DER DIAKONIE, nachdem mir bewusst geworden war, dass ich inzwischen außerhalb der Wohnung, mehrheitlich im Rollstuhl sitzen muss, wandte ich mich an eine hilfsbereite Nachbarin, die bereits viele Jahre im Rollstuhl sitzt und mir gerne ihre Lebenserfahrungen damit weitergibt. Ihr Vorschlag war, auch ich könne mich an die Diakonie wenden, um dort die MOBILIÄTSHILFE zu beantragen. Dort bekäme ich einen SCHIEBEDIENST, der mich zu Ärzten, Einkäufen oder Kulturveranstaltungen begleiten würde. Es sei ein Service, zusätzlich zur Pflegeversicherung. Ja, ich hatte davon zwar schon gehört, da ich es aber bisher nicht brauchte, es trotzdem überhört/sprich vergessen. Erst als sie wiederholt mich daran erinnerte: ‚Nun mach es doch endlich und jammere nicht rum’, rief ich dort an..

Zwei Tage später saß eine nette Sozial-Arbeiterin in meiner Wohnung, um mich zu beraten. Seitdem nutze ich gerne dieses Angebot, es ist eine zusätzliche sehr gute Erweiterung meinen Radius wieder zu erweitern.

Darum stimmt hier für mich auch nicht das Vorurteil: „Der Mensch ist GEFESSELT AM ROLLSTUHL. Nein, es ist eher umgekehrt, durch den Rollstuhl habe ich wieder mehr Flexibilität erreicht.

Freuen würde ich mich über Ihre eigenen evtl. humorvollen Geschichten zum VERGESSEN.

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