Schnelle Vor-Schläge sind oft falsche Rat-Schläge

„Der Kluge lernt aus allem und von jedem.
der Normale aus seinen Erfahrungen
und der Dumme weiß alles besser.“
Sokrates, Philosoph, Geburtsjahr unbekannt, gestorben 399 v. Chr.

Jede/-r wird das ebenfalls schon wiederholt gehört oder selbst erlebt haben. Man erzählt z.B. bei einem Treffen mit anderen Menschen: „Ich habe Schmerzen im Rücken“ oder „Ich wache morgens mit Schmerzen in der rechten Hand auf“ und sofort fühlt sich der Gesprächspartner aufgerufen, nicht erst einmal konkret nachzufragen, sondern dem anderen sofort sein „Wissen“ ungefragt überzustülpen. Denn er weiß genau, „Das hatte ich auch schon mal und bei mir war Das und Jenes der Grund …“ oder „Mein Nachbar arbeitet so viel und durch den Stress, hat er solche Schmerzen.“

Jeder wird diese „Besser-Wisser“, „Pseudo-Ärzte“ oder „Küchen-Psychologen“ kennen, die bereit sind, schnelle Kommentare und Vorschläge abzugeben. Sie wollen meine persönliche Geschichte weder hören noch verstehen, da sie doch dafür sofort eine Lösung parat haben.

Ich persönlich bin inzwischen oft genervt, aber auch empört über schnelle Sprüche wie:

„Jede Krise macht dich stärker“

„Du musst EINFACH an dich glauben.“

„Du musst einfach NUR Geduld haben.“

„An deinem Schlaganfall bist du selbst schuld“.

„Nimm doch mal Kügelchen..“ (Therapie gegen einen Schlaganfall? Welch „Größenwahnsinn“.)

Ein Mensch, der selbst keinerlei Erfahrung hat, was es bedeutet einen Sturz, mit einem anschließenden Schlag-Anfall, zu erleiden, sollte sich mit jedem schnellen Kommentar und seinem WISSEN zurückhalten. Dieser KLUG-SCHEISSER, entschuldigen Sie den drastischen Ausdruck, ist nicht kompetent, sondern arrogant, uneinfühlsam und aggressiv. Denn meistens hat er kein Wissen über ein Trauma und deren oft lebenslange Folgen.

Meine PHANTASIE dazu ist: „Ich sitze friedlich in meinem Garten, zwar ist die Gartentür geöffnet, aber ein Besucher springt über den Zaun. Dabei zertrampelt er meine blühenden Beete und ist erstaunt, dass ich mich jetzt wehre und ihn nicht freundlich zum Kaffeetrinken einlade, sondern ihn bitte, sofort zu gehen und auch nie wiederzukommen.“

Ich habe bei solch anhaltendem und übergriffigem Verhalten verstanden, ich kann mich nur dadurch schützen, indem ich mich von diesen Menschen distanziere oder sie sogar verlasse. Ich weiß heute, ich kann und will ihn nicht (um-)erziehen. Denn ich kann von ihm keine Empathie erwarten, wenn er nicht bereit ist, sein Verhalten infrage zu stellen.

Ich weiß heute, ich kann kein Vertrauen mehr in den Menschen haben, der versucht, mich anders haben zu wollen, nämlich so, wie er meint, dass ich sein sollte. Ich fühle mich aber dann verstanden, wenn mir der andere zuhört oder nachfragt, ob er mir einen Vorschlag machen könnte.
Ich weiß, dass es normal ist, dass zu jedem Leben, ob mit Behinderung oder Älter-Werden, Trauer, Wut und Angst hinzu gehören.

Darum sind hohle Sprüche, leere Phrasen, nicht ermutigend und positiv, sondern destruktiv und überflüssig.

Am Ende meines beruflichen Lebens, machte ich noch eine beeindruckende Fortbildung bei dem iranischen Psychotherapeuten NOSSRAT PESESCHKIAN (1933-2010). Darum möchte ich hier auf seine Bücher aufmerksam machen. Er war der Begründer der POSITIVEN PSYCHOTHERAPIE und hielt Vorträge in sechzig Ländern und schrieb sechsundzwanzig Bücher.
In seinem wunderschönen Buch DER KAUFMANN UND DER PAPAGEI, setzte er orientalische Märchen in Beziehung zu Beispielen aus seiner Praxis und diese sind lebendig, lebensnah und humorvoll. Sie sind Gleichnisse und können mich als Leser anregen bei meiner Suche nach Konfliktlösungen. Ich finde in seinen Büchern, bis heute, immer wieder Anregungen, um über menschliches Miteinander neu nachzudenken. Seine Geschichten zeigen mir andere Denkmodelle, Werte und Konfliktlösungen auf.

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