Hierzu einige BEISPIELE:
„Ich saß an einem Nachmittag im Park, im Strandkorb, und schrieb auf, was sich direkt vor meinen Augen ereignete. Eine Dame wurde im Rollstuhl an mir vorbei geschoben. Ich kannte sie nicht, aber sie strahlte mich an: ‚Wir leben hier wie im Himmel.‘“
„Ein Herr rollte in einem großen Elektro-Rollstuhl an mir vorbei, auch ihn kannte ich nicht. Er blieb bewundernd vor meinem ungewöhnlichen Einhand-Rollatur stehen (siehe Rollstuhl) und fragte: ‚Kann man denn den bei Aldi durch die Regale schieben?‘ ‚Das weiß ich nicht, ich habe es mich noch nie getraut.‘. Er sauste wortlos davon.“
„Ich kam kaum zum Schreiben, denn jetzt wollte eine neue Nachbarin wissen: ‚Ich habe gehört, hier gibt es Gymnastik. Kann ich da auch hinkommen?‘ ‚Ja, aber es kostet 7,-Euro. Es ist QiGong im Sitzen. Soll ich ihnen mal erzählen, was das ist?‘ ‚Nee, kenn ich nicht, will ich aber auch nicht mehr lernen’ und ging schnell weiter. Schade.“
„Kurze Zeit später kam ein kleines Mädchen mit ihrem Vater vorbei, strahlte mich an und sagte: ‚Wir waren bei Oma. Kennst du die?‘ ‚Nein’. ‚Du kannst ja auch mal mitkommen.‘ Da der Vater dies aber eindeutig nicht wollte, zog er sie nur wortlos weiter und so wurde nichts daraus.“
„Zwischendurch kam ein Krankenwagen aus einem der Pflegehäuser. Wer da wohl abgeholt wurde? Eine Beobachtung, die mich immer wieder innerlich zusammenzucken lässt. Noch mehr natürlich, wenn es ein LEICHENWAGEN ist. Denn auch das ist hier die tägliche Realität.“
Ich nehme mir jetzt immer ein Heft zum Schreiben oder mein IPad (um darauf zu sprechen) mit nach draußen, um einen flüchtigen Gedanken festzuhalten. Denn, selbst, wenn ich im Moment ganz sicher war, ihn nachher noch zu erinnern, musste ich oft feststellen, dass diese kurzen GEDANKENBLITZE zu Hause schon wieder weg waren. Meine TAGTRÄUME sind oft genauso vorübergehend wie die nächtlichen Träume.
Diese kleinen Alltagsgeschichten bereichern mein alltägliches Nachdenken. Bin ich nur alleine in meiner Wohnung, fehlen mir dagegen oft kreative Gedanken zum Weiter-Schreiben.
„An einem anderen Tag: Ich ging mit dem Stock durch den Park, weit und breit war kein Mensch zu sehen. Plötzlich kam mir um eine Ecke eine ältere Dame entgegen. Sie starrte in ihr Handy, nahm mich also nicht wahr. Ich blieb sofort stehen, wie es mir der Physiotherapeut für solche brenzlige Situation vorgeschlagen hatte. Ich streckte ihr, wortlos, meinen Stock entgegen, in den sie hineinrannte. Erst jetzt bemerkte sie mich…und ging wortlos weiter.
Aber plötzlich kam sie hinter mir hergelaufen und entschuldigte sich wortreich: ‚Heute habe ich etwas gelernt.‘ Jetzt war sie auch bereit, sich mein Verhalten anzuhören. Vor allem war sie sehr erschrocken als ich sagte: ‚Sie hätten ein Problem gehabt, wenn sie mich umgeschubst hätten. Wenn ich hinfalle, kann ich nicht wieder aufstehen und sie können 70 kg nicht wuppen.‘ Wir verabschiedeten uns freundlich voneinander.“
Ich nahm diese Erfahrung zum Anlass, mir zusätzlich zum Hausnotrufknopf der Johanniter einen erweiterten Alarmknopf für draußen anzuschaffen. Damit bin ich, für den Notfall über JPS zu finden.
„Eine erfreuliche Erfahrung beim frühen Morgenspaziergang. Da 38 Grad angesagt waren, ging ich bereits um sieben Uhr in den Park und traf dort zwei alleinlebende Nachbarn. Herr M. erzählte mir, er stehe jeden Morgen um fünf Uhr auf. Wenn dann um sieben Uhr das Café vor unserem Grundstück öffnet, trinkt er dort seinen ersten Kaffee, ißt ein Rosinenbrötchen und kauft sich die Tageszeitung. Danach setzt er sich zum Zeitungslesen in den Park. ‚Ich feiere an jedem zwanzigsten, dass ich wieder einen Monat geschafft habe. Das geht aber alles nur, wenn man den inneren Schweinehund überwindet. Das müssen sie auch so machen.‘ Ich versprach ihm, mir ihn zum Vorbild zu nehmen, was ihm sehr gefiel.“
„Frau Sch., 96, geht jeden Morgen, um sechs, zu den Tieren, um sie zu füttern. Ich traf sie beim Unkraut zupfen, obwohl sie sich kaum noch bücken kann, gefolgt von zwei Katzen, die sie immer füttert. „Wie das hier wieder aussieht, macht ja sonst keiner.“ Ihre stets freundliche und höfliche Art zu grüßen und die wenigen Worte des Austausches, ist jeweils ein guter Tagesstart für uns beide.“
BEZIEHUNGSKILLER sind: Jammern, Nörgeln, Nölen, Meckern
Jeder ist umgeben von Menschen, die sich anhaltend und lautstark beschweren über: schlechte Ärzte, unfähige Lehrer, unprofessionelle Pflegekräfte, unhöfliche Jugendliche, aggressive Busfahrer und, und, und…Ihm ist vermutlich nicht bewusst, dass er ihn gar nicht ändern kann. Konstruktiver wäre es darum, mir nur selbst bewusst zu machen, dass solches Verhalten für das mitmenschliche Zusammen-Leben wie ein BEZIEHUNGSKILLER wirkt.
Denn vermutlich geht keiner gerne einen anderen besuchen, wenn er weiß, dass dieser nur über sich und andere jammert, schimpft und sich beklagt. Ein langanhaltendes Selbst-Bemitleiden führt nach meiner Beobachtung ebenfalls oft zu
Beziehungsabbrüchen.
Das folgende BEISPIEL zeigt eine mögliche friedlichere Lösung:
„Eine Bekannte beobachtete bei mir, dass ich nach meinem Schlag-Anfall einige Hilfen hatte, die sie selbst, obwohl schon viele Jahre schwer behindert, nicht hatte.
Als sie mich wieder einmal aggressiv ansprach: „Sie bekommen immer Alles, ich bekomme nichts“, bot ich ihr an, ihr bei der Beantragung des Hilfsmittels Elektrorollstuhl behilflich zu sein.
Sie beharrte zunächst weiter darauf, dass sie keinen Elektrorollstuhl bekommen würde. Erst als ich bei ihrem erneuten Jammern sagte: „Entweder sie nehmen mein Hilfs-Angebot an oder wir beiden sprechen nicht mehr darüber“, stimmte sie zu.
Um es kurz zu machen. Sie hatte bis dahin noch keine der ihr zustehenden Hilfsmittel beantragt, mit dem (falschen) Wissen: „Das steht mir nicht zu“.
Ja, sie bekam ihren Rollstuhl.
Wenn wir uns danach trafen, freuten wir uns darüber, wie sehr das selbstständige Fahren ihre Lebensqualität verbessert hatte. Mir fiel außerdem auf, sie wurde durch diesen Erfolg insgesamt freundlicher und gesprächsbereiter.“
Ein WEITERES BEISPIEL, dass mich längere Zeit anhaltend belastete:
„Ich hatte eine private Alltagsbetreuerin, die jeden Morgen, wenn sie kam, nicht freundlich guten Tag sagte, sondern als erstes anfing über den Busfahrer zu schimpfen, der wieder einmal nur ihr gegenüber, sehr unhöflich gewesen sei. Nachdem das ein paar Mal passiert war und ich ihr extremes Schimpfen schweigend hingenommen hatte, versuchte ich ihr klarzumachen, dass ich nicht mehr bereit sei, morgens, durch sie, schlechte Stimmung zu bekommen. Sie verstand mich nicht. Da auch das Gespräch nichts nützte und sie nicht bereit war, etwas zu verändern, trennte ich mich von ihr.“
Es besteht eine deutliche INFEKTIONS-GEFAHR sich durch das Jammern anderer Mit-Menschen ANZUSTECKEN. Ich löse inzwischen dieses Thema, wenn ein ruhiges Gespräch nicht möglich ist und mein Friedens-Angebot nicht angenommen wird, mich durch Distanz zu schützen.
Darum hierzu abschließend ein Aphorismus des Tiefenpsychologen ALFRED ADLER, der mich schon lange begleitet:
„DER MENSCH WÄHLT HÄUFIG LIEBER DAS WOHLBEKANNTE UNGLÜCK, STATT DAS UNBEKANNTE GLÜCK.“
Das ist keine schnelle Küchenpsychlogie, sondern eine klare Definition menschlichen Verhaltens.