Erfahrungen mit Bestellungen bei Amazon, sind in meinem Leben als behinderte Frau, die selbst nicht mehr einkaufen kann, einerseits eine neue stressige Herausforderung und andererseits langfristig eine riesige Hilfe, aber auch oft ein Grund für Humor. Hierzu wird jeder andere ähnliche Beispiele berichten können.
ERSTE ANEKDOTE:
„Ich wartete den ganzen Tag, bei 30°, auf eine Lieferung durch Amazon. Ich hatte das Warten schon aufgegeben, als es um 19:00 Uhr doch noch klingelte. Im Klingel-Display sah ich einen südländisch aussehenden Paketboten. Ich sagte, wie immer: ‚Fahrstuhl rechts, eins drücken.‘
Er antwortete mit einem langen Redeschwall, von dem ich aber nichts verstand. Ich drückte auf den Summer, keiner kam, auch nach langem Warten tat sich nichts. Ich lauschte noch mal dem Ton seiner Stimme nach und hatte plötzlich die Idee, er hat mir wohl eine Frage gestellt.
Darum dachte ich, er irrte durchs Haus und suchte meine Wohnungstür.
Ich humpelte zum Fahrstuhl, tatsächlich lag dort, ganz alleine, mein Päckchen. Erst jetzt begriff ich, er hatte vielleicht gefragt, ob er es hochschicken könnte?
Pfiffiges Kerlchen, ich konnte sehr darüber lachen, denn es war heiß, es war spät und er hatte wohl keine Kraft und keine Lust mehr, hochzukommen und darum schickte er das Paket alleine los. Sehr verständlich, aber darauf muss man erst mal kommen.
Meine Phantasie dazu später (obwohl ich weder Krimis lese noch sehe), während ich zum Fahrstuhl gehe, könnte doch ein schneller Paketbote die Treppe hochrennen und meine offene Wohnungstür nutzen, um dort blitzartig etwas mitzunehmen.
Meine Idee für eine zukünftige Lösung beruhigte mich, denn ich könnte beim nächsten Mal sowohl den Hausschlüssel greifen als auch die Tür zuziehen.“
ZWEITE ANEKDOTE:
„Jemand klingelte Sturm und es kam ein nicht-deutsch-sprechender-Paketbote, der ein riesengroßes Paket bei mir loswerden wollte. Es war mindestens 1,20 mal 1,20m. Ich sagte zu ihm: ‚Das kann ich nicht bestellt haben‘.
Mein Name stand aber tatsächlich auf dem Paket. Ich fand keinen Absender
Der Bote war total im Stress. Ich versuchte ihm klarzumachen, dass ich das nicht annehmen würde. Daraufhin wurde er aggressiv, redete in seiner Sprache auf mich ein, stellte das Paket wortlos in den Flur und verschwand im Fahrstuhl. Ich rief ihm noch wütend hinterher, aber er war weg.
Jetzt sah ich zunächst in meinem Tablet nach, aber ich hatte keine Mail bekommen und erwartete auch keine Sendung.
Zum Glück kam am nächsten Tag ein Helfer. Dieser brauchte eine Stunde, um herauszufinden, was für ein Drama dahinter steckte.
Und jetzt kommt’s: Es blieb uns nichts anderes übrig als das Paket zu öffnen. Es dauerte und dauerte, bis wir herausgefunden hatten, dass dieses Paket gar nicht für mich war, sondern für eine Frau gleichen Namens, die in irgendeinem Dorf in der Nähe von Bremen wohnt…
Inzwischen hatten wir aber auch die Firma herausgefunden. Bei ihr war ich vor langer Zeit einmal Kundin gewesen.
Und was war, laut Katalog, in dem Riesenpaket? Eine Metall-Wand-Kunst aus Japan: ‚Mit dem Konzept des Wohlbefindens zum Aufhängen, um die Atmosphäre des Waldes in sich aufzunehmen.‘
Wir bekamen erst mal einen Lachanfall. Denn ich gehe grundsätzlich nur in den richtigen Wald, den ich zum Glück vor der Tür habe, um mich dort zu entspannen und hänge mir keine stilisierten Eisenbäume an die Wand.
Inzwischen hatte der Helfer noch herausgefunden, dass dieses Paket aus England kam, es war vorher in Holland und Belgien unterwegs gewesen. Durch den Brexit konnte es wohl nicht zugestellt werden. Wir bekamen wieder einen Lachanfall. Es war, laut mehrerer Stempel, seit einem Monat unterwegs.
Wir hatten endlich auch die Telefonnummer dieser Firma herausgefunden. Nach einer langen ‚Warteschleife’, konnte ich mit einer deutsch sprechenden Frau am Telefon sprechen. Sie wollte meine Kundennummer wissen, die aber, trotz Ankündigung auf der Rückseite des Katalogs nicht vermerkt war. Sie verstand das alles auch nicht, war aber nicht in der Lage gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Sie war zickig, obwohl der Helfer ruhig und höflich blieb, ich dagegen war inzwischen auf 180…
Der Helfer packte alles wieder ein und musste nun mit diesem riesigen Paket zu Fuß zur Post laufen, das hätte ich, bedingt durch meine Behinderung nie geschafft.
Eine Stunde später schickte er mir eine Mail mit der guten Nachricht: ‚Das Paket wurde umsonst angenommen, es ist jetzt unterwegs und sie haben damit nichts mehr zu tun.‘
Jetzt blieb mir nur noch meine Kontoauszüge in der nächsten Zeit aufmerksam zu studieren…
Ich nahm das zum Anlass, diesen Katalog und gleich noch einige andere zu kündigen, weil ich feststellte, dass die Angebote insgesamt nicht mein Geschmack waren.“
FAZIT dieser Geschichte:
Für meinen Helfer war das insgesamt ein Arbeitsaufwand von einer Stunde, ich hätte an diesem Tag wichtigere Aufträge für ihn gehabt. Trotz allem, die Zusammenarbeit mit ihm war gelungen. Dass der Paketbote das Paket nicht wieder mitnehmen konnte, verstand ich erst im Nachhinein, denn er wusste doch auch nicht, wo es herkam und der Zettel für den Rücktransport, der war im Paket.
(Wenn die Pflegeversicherung wüsste, wofür ich diesen Helfer brauche, ob sie das dann auch zahlen würden?)
Das aktuelle Leben wird immer komplizierter, mir ist es jedenfalls oft zu kompliziert. Die Bestellungen über Amazon, sind für mich trotz aller berechtigten Kritik (schlechte Bezahlung, zu wenig Personal, zu wenig Deutschkenntnisse der Helfer) genial.
Bat ich früher jemanden aus meinem Umfeld, mir zum Beispiel neue Müslischalen einzukaufen, so erlebte ich oft bei mir Unzufriedenheit, dass sie irgendwann einmal ankamen, aber auch genervte Reaktionen beim Helfer, dass ich Sonderwünsche hatte.
Jetzt bestelle ich in Ruhe alleine, die Ware kommt oft bereits am nächsten Tag, jeweils mit der Ansage per Mail, wann sie kommt.
Eine große Portion Humor bei den Bestellungen, muss ich oft aufbringen, denn Fehler sind mir tatsächlich dabei auch schon passiert.
DRITTE ANEKDOTE
„Statt einem Paket Schreibmaschinen-Papier, hatte ich zehn angeklickt, die musste ich natürlich annehmen. Denn der Träger zeigte mir den Lieferschein und da stand tatsächlich zehn.“
(Und hier eine ERGÄNZUNG der Bestellungen durch den LEBENSMITTEL-SERVICE:
Ein Träger brachte mir zehn Tüten, was mir gleich als zu viel vorkam. Da er, wie immer, in großer Eile war, nahm ich sie an. Kaum war er weg, stellte ich fest, dass tatsächlich in zwei Tüten Lebensmittel waren, die ich nicht bestellt hatte. Es waren ausschließlich süße/ungesunde Lebensmittel. Was tun? Ich rief die Bringe-Firma an, in der Hoffnung, dass sie den Fahrer bitten konnten, diese Sachen heute bei mir wieder abzuholen, was mir der Mann am Telefon auch versprach. Um es kurz zu machen: Vierzehn Tage später, nach drei weiteren Mails, wartete ich weiterhin vergeblich. Dann kam endlich eine Mail, ich könnte die Ware behalten, da sie es nicht geklärt bekämen, diese wieder bei mir abzuholen. Ich hab es dann tatsächlich in den Müll entsorgt, da ich so einen MIST auch keinem schenken wollte. Ich achtete außerdem bei der nächsten Rechnung darauf, ob sie mir eventuell diese Summe (circa 25 €) angerechnet haben, hatten sie aber nicht.)
POSITIVE AUSSAGEN ZU HILFEN DURCH AMAZON:
– Ich bin unabhängig.
– Die Zustellung ist billig entweder sind die Bringe-Kosten, bei einem Wert ab 100,-€ umsonst oder zwischen 2,- bis 5,-Euro. (Würde ich dafür privat einen Helfer bestellen, wären das viel höhere Beträge..
– Die Ware kommt pünktlich, in der bestellten Zeitspanne von zwei Stunden und nach einer Ansage per Mail, zuverlässig.
– Es ist gute Ware, ohne Schäden.
– Sie werden mir bis in die Küche getragen.
Aber ein Problem bleibt, wenn es klingelt, sehe ich im Display, es ist der Service. Dann sage ich: ‚Der Fahrstuhl ist rechts, drücken sie bitte auf die eins.‘ Trotzdem dauert es oft, bis sie kommen, da sie mich nicht verstanden haben und durch das Haus irren und alles zu Fuß durch das Treppenhaus tragen müssen. Das tut mir zwar leid, aber durch die fehlenden Deutschkenntnisse, verstehen sie mich oft nicht. Neulich schnauzte mich ein Träger an: ‚speak english.‘ Ich weiß natürlich, die Träger sind immer überfordert, mit allem, aber das ist nicht mein Problem…
Heute ist so eine schöne Anekdote, wie ich sie vor zehn Jahren erlebt habe, nicht mehr denkbar. Ein türkischer Lieferant, als er sah, dass ich humpelte, fragte damals: ‚Schlaganfall?‘ ‚Ja.‘ ‚Hat meine Mama auch. Sie müssen immer Kurkuma ins Essen tun.‘ Und er nahm sich die Zeit für eine längere Aufklärung. Danach verabschiedete er sich freundlich, mit dem Hinweis, er würde mir beim nächsten Mal noch andere Vorschläge machen. Aber es gab kein anderes Mal, denn jedes Mal wirklich jedes Mal, kommt ein anderer Träger, der mich eventuell wiederum nicht versteht.
Diese Organisation, die dahinter steckt, verstehe ich nicht.
Beschwerde-Briefe brachten auch keine Veränderung.