Akzeptanz der Behinderung

Synonyme für das Wort Akzeptanz sind u.a.: Zustimmung, Einwilligung und Sympathie.

Die Akzeptanz einer Krankheit, mit anhaltender Behinderung, ist ein komplizierter Prozess, der bei jedem anders verlaufen wird. Die Psychologie teilt sie in fünf Phasen ein.

  1. Phase: Den Zustand nicht wahrnehmen können.
  2. Phase: Warum passiert ausgerechnet mir der Schlag-Anfall? Wut und Suche nach Schuldigen (ich selbst, Ärzte, Tabletten?)
  3. Phase: Hoffnung, es wird nur ein vorübergehender Zustand sein.
  4. Phase: Mein Leben hat so keinen Sinn mehr. Die Krankheit hat alles zerstört.
  5. Phase: Es ist die Bereitschaft, Etwas hinzunehmen, was ich nicht mehr ändern kann. Das führt zu Akzeptanz und damit zur Lösung einer schwierigen Situation. Ansonsten verbrauche ich zu viel Energie. Eine Lösung für ein Problem zu finden, kostet Kraft, verschafft aber gleichzeitig Entspannung und Zufriedenheit.

Das bedeutet natürlich nicht, die Behinderung wunderbar finden, aber langfristig, damit Frieden zu schließen, dass sie ein unumkehrbarer Fakt ist. Permanente Wut (weder heimlich noch offen), löst keines der Probleme. Die aktuelle Realität wahrnehmen, um die Veränderung richtig zu verstehen, dann handeln. Hilfe suchen, um eine andere oder eine neue Lösung zu entwickeln.

Auf Angehörige, können diese Phasen ebenfalls zutreffen. Auch für sie gilt, dass die fünfte Phase gut gestaltet werden muss. Das bedeutet, wieder gemeinsam schöne Momente schaffen, die beiden Seiten, trotz bestehenden Einschränkungen wieder Freude macht.

ERSTE ANEKDOTE:

„Durch meine Reha (sieben Jahre nach meinem Anfall) und die dortigen Gespräche mit einer Psychotherapeutin, fiel mir selbst auf, dass ich immer noch sagte: „Ich hatte einen Schlag-Anfall“, aber nicht: „Ich bin behindert“. Die Therapeutin ermutigte mich, die Formulierung: „Ja, ich bin behindert“, in meinen Sprachgebrauch zu übernehmen.

Ganz allmählich und nur in kleinen Schritten, konnte ich nochmals neu beginnen meinen derzeitigen Status bewusster zu akzeptieren. Sehr hilfreich waren mir dabei liebevolle Menschen, die auch die kleinsten Fortschritte wahrnahmen und anerkannten, aber weder an mir herumnörgelten noch vorschnelle Kommentare abgaben.“

ZWEITE ANEKDOTE:

„Meine häuslichen Therapeuten beobachteten, dass ich während der Behandlungen, abwertende und aggressive Bemerkungen machte, sowohl über meinen linken GELÄHMTEN ARM: „SCHEISS-ARM“;

MEIN SCHLAFFES BEIN: „HINKEND UND KRUMM“ als auch über meinen ELEKTRO-ROLLSTUHL: „GEFÄHRLICHES GESCHOSS“.

Sie vermuteten, völlig zu Recht, dass ich mich mit der Tatsache meiner Behinderung immer noch nicht ANGEFREUNDET hatte.

Ich bekam die ‚HAUSAUFGABE‘: ‚Versuchen sie doch jeweils neue, sprich liebevollere Namen dafür zu finden.‘

Das fiel mir nicht leicht und ich brauchte dafür einige Tage. Hier das (vorläufige) Ergebnis, sie heißen jetzt:

  • SCHLAFF-FINCHEN oder POWER-LINCHEN, Name für meinen linken Arm;
  • EMIL (mein Lieblings-Jungen-Name), für mein linkes Bein;
  • STROMER, Name für meinen Elektrorollstuhl.

Ich nahm wahr, dass diese neuen Namen bei mir tatsächlich mentale Veränderungen bewirkten. Meine Sprachwahl hatte in allen drei Fällen meine Beziehung zunehmend verbessert. Ich spreche und denke jeweils liebevoller und akzeptierender über sie. Auch hier waren wieder die anerkennenden, positiven Kommentare durch meine Umgebung hilfreich. Mal sehen, ob es anhält.“

Aktuell geht es um die bewusste Akzeptanz, dass ich mehrheitlich im Elektro-Rollstuhl sitzen muss, wenn ich kleine Ausflüge in den Wald machen möchte. Ich nehme wahr, dass ich dadurch eine friedlichere und weniger kämpferische Beziehung zu meinem (weiterhin doch eingeschränkten Leben), außerhalb der Wohnung habe. Ich bin damit heute zufriedener und nörgle nicht herum, was ich alles nicht mehr leisten kann. Kleine Ausflüge, mit dem Auto von Freunden oder Taxifahrten zum nahegelegenen Dorf oder Hafen, sind natürlich weiterhin ein high light (wie man neudeutsch sagt).

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