Leben mit Behinderung

durch linke Einarmigkeit und fehlende Kraft im linken Bein

Zu diesem Thema fand ich keinen Aphorismus, darum hier ausnahmsweise mein eigener: „Wer keinen Schlag-Anfall erlitten hat, kann sich nur bedingt einfühlen, aber er sollte auch jeden schnellen Vorschlag einfach nur sein lassen…“

Einarmig zu sein, auch noch nach Jahren, bleibt eine große Herausforderung. Es ist MEIN spezielles Thema.

Vielleicht haben Sie Ihre Defizite eher im im sprachlichen, mentalen oder sozialen Bereich?

Die Defizite, auch noch, nach zehn Jahren, zu akzeptieren, wird zwar bei jedem anders verlaufen, der gefühlsmäßige Prozess wird aber ähnlich sein.

Diese Tatsache war mit ein Grund, diesen Blog zu schreiben, da ich oft bei mir selbst und bei meinen Mit-Menschen, fehlende Empathie durch mangelndes Wissen wahrnahm.

Z. B. ist ein schneller Kommentar wie: „Ich weiß doch auch wie das ist, ich hatte mir mal den Arm gebrochen“, völlig unangemessen. Da kann ich nur antworten: „Du weißt aber nicht, wie es ist, täglich, sprich jahrelang damit leben zu müssen.“ Das hört sich jetzt sicher für einen gesunden Menschen, bitter und vielleicht auch aggressiv an, aber da sind Unterschiede, die anscheinend nur schwer vermittelbar sind.

Das negative Gefühl, das damit in Zusammenhang steht, ist die Abhängigkeit durch Helfer, sprich der VERLUST DER AUTONOMIE. Darum an dieser Stelle eine Aufzählung, was bis heute im Alltag durch meine EINARMIGKEIT gar nicht- oder nur schwer machbar ist:

 • Hartes Gemüse schneiden, Zwiebeln und Knoblauch schälen

 • Bett beziehen

 • Blusen zuknöpfen

 • Tabletten ausdrücken

 • Bügeln

 • Dosen, Flaschen, Verpackungen und Pakete öffnen

 • Topf und Pfanne anheben

 • Handy händeln, es besteht immer die Gefahr des Herunterfallens.

 • Einsetzen und Herausnehmen der Zahnprothese, ist eine sehr spezielle Anforderung

 • Einsetzen des Hörgeräts, ist nur schwer machbar

 • Dafür Batterien einsetzen, geht oft alleine gar nicht

 • Einkaufen ist nicht mehr möglich. Eine gute Alternative, ich kann sowohl einen Lebensmittel-Bringedienst als auch bei Amazon Ware per mail bestellen.

 • Dicke Ordner dringend verkleinern, auf mehrere schmale.

 • Papiere lochen und abheften, Papier in Drucker einlegen und Toner auswechseln, (dies alles sind harte Geduldsproben)

 • Rausgehen bei Regen, geht deswegen nicht mehr, da ich nicht den Stock, gleichzeitig den joy stick und den Regenschirm halten kann

 • Schiebe-Rollstuhl und Rollator sind mit einer Hand nicht lenkbar

 • Gehen mit zwei Walking-Stöcke, sind nicht händelbar, da dazu zwei Hände erforderlich sind

 • Viele Kräftigungsübungen gelingen gar nicht oder nur unvollständig

 • Ich habe fünf Hals-Ketten sowohl verlängern als auch mit einem Magnetverschluss verändern lassen, so kann ich sie mühelos über den Kopf ziehen.

Willkommen auf dem einhandblog, DEM Blog für Einhänder

Unter KÖRPERBEHINDERUNGEN leide ich bis heute und benötige dazu einige Hilfsmittel wie: Stock, Rollator, Schiebe- und Elektrorollstuhl.

Individuelle GANGTHERAPIE ist darum, bis heute, unerlässlich, denn eine Verbesserung der Gehfähigkeit, fördert die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Sich, gemeinsam mit Therapeuten realistische Ziele für den Alltag zu setzen, könnte die Aufgabe sein. Sich dabei nicht von den Rückschritten entmutigen zu lassen, bleibt die anhaltende Herausforderung. Die Hoffnung, dass das Leben danach wieder so sein wird, wie vorher, wird aber oft enttäuscht.

Siehe: https://schlaganfallbegleitung.de/rehabilitation/gangtherapie

Beim allmählichen Älter-Werden, kommen bei mir Komplikationen durch Arthrose-Schmerzen in der gesunden Hand hinzu. Zugreifen wird zunehmend schwieriger, Gegenstände fallen öfter herunter und die Handschrift verändert sich. Solche Probleme lösen bei mir oft Wut aus, mit anschließend schlechter Stimmung.

Wie gut, dass ich früh genug gelernt habe mit dem Tablet umzugehen.

Diese Technik ist genial für mich als Einhänderin und befriedigt mich immer wieder sehr.

Hier eine HUMORVOLLE ANEKDOTE zum Thema:

„Bedingt durch meine Einarmigkeit und fehlende Drehung des Beckens, konnte ich eine juckende Stelle auf meinem Rücken im Spiegel nicht sehen. Darum bat ich den Physiotherapeuten um Hilfe. Er sprang sofort auf und sagte: „Ich hole mal mein Handy.“ Meinen verständnislosen Blick sah er nicht.

Ich verstand sein Tun erst, als er meinen Rücken fotografierte und mir dann wortlos das Handy hinhielt. Jetzt sah ich darin einen großen geschwollenen Fleck, zu groß für einen Mücken-, aber eindeutig einen Wespenstich. Wir konnten über dieses Verfahren gut gemeinsam lachen.“

Und eine ZWEITE ANEKDOTE, die ebenfalls passend ist:

„Seit sechs Jahren DADDEL ich mich durch die Technik, sprich kommuniziere mit der Umwelt, mit Hilfe meines IPads und schreibe täglich zahlreiche Mails.

Neulich saß ich mit einer Freundin im Taxi und wir redeten miteinander, wie ich während meiner zweiten Reha, mit Freunden in Kontakt bleiben könnte. Plötzlich klinkte sich der freundliche, türkische Taxifahrer ein:

„Darf ich mal einen Vorschlag machen?“

„Ja klar, gerne.“

„Ich habe jetzt verstanden, dass sie durch die Einarmigkeit stark behindert sind und das Tippen mit einem Finger schwierig ist. Warum sprechen sie ihre Mails nicht als Sprachnachricht?“

„Wie geht das, das hat mir noch nie jemand vorgeschlagen?“

„Wenn meine Frau das versteht, dann können sie das bestimmt auch.“

Ich ließ es mir zu Hause sofort von einem Helfer zeigen. Der Taxifahrer hatte recht, ich verstand es wirklich und es macht mir seitdem viel Freude.“

Hier möchte ich für Interessierte zur Erweiterung zwei Blogs empfehlen:

http://www.leben-mit-einer-hand.de und https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/start

LEBENSMITTEL-BESTELL-SERVICE

Nach der Reha, lernte ich durch eine Freundin, wie ich bei einem BRINGE-DIENST, per Mail Lebensmittel alleine bestellen könnte. Das war MEINE LÖSUNG. Denn mir war schnell klar, dass ich jetzt täglich allein für mich, frisch und gesund kochen wollte.

Von Nachbarn hörte ich schon vorher oft die Klagen, dass es beim Älter- und Behindert-Sein oft nicht mehr möglich sei, einzukaufen, da das zu viel Kraft kosten würde, dies noch alleine zu stemmen. Sich diese Hilfe zu gönnen, ist trotzdem nicht für jeden eine Lösung. Die (überhöhten) Erwartungen an Familie und Freunde, obwohl diese eventuell noch berufstätig sind oder Kinder haben, scheint oft unumkehrbar. Oft habe ich Nachbarn auf der Parkbank schimpfen gehört, dass sie entweder lange auf Hilfe durch Angehörige und Freunde warten müssten, die „mal wieder das frische Gemüse oder/und den Kaffee“ vergessen hatten.

Die Unzufriedenheit, vermutlich auf beiden Seiten, wäre zu verändern.
Klar, oft braucht es zunächst einen geduldigen Menschen, der die ersten Bestellungen mit uns gemeinsam tätigt.

Bei mir liegt immer ein Zettel bereit, auf dem ich meine Einkaufs-Wünsche notiere. Zwei Tage vor der Bestellung, sitze ich dann entspannt am Tisch, nehme mir viel Zeit dafür und klicke per Mail sowohl die Sonderangebote, dass preisgünstigste Putzmittel als auch das zuckerfreie Tiefkühlgemüse an. Diese Zeit habe ich mir früher, als ich noch selbst einkaufen gehen konnte, nie genommen. Ich notiere mir auch, wenn ich mit einer Ware unzufrieden war, damit ich sie nicht noch einmal bestelle.

Diese Bestellungen machen mir jetzt sogar Freude, vor allem, weil sie für mich stressfrei sind, da die Träger mir die Ware bis in meine Küche tragen.

Ich werde, schon bei der Bestellung, darüber informiert, dass es zum Beispiel derzeit keine frischen Blaubeeren mehr gibt. Dann kann ich spontan auf Tiefkühlobst umsteigen.

Eine weitere riesige Erleichterung ist es außerdem, dass solche Firmen nicht nur Lebensmittel, sondern unter anderem auch Drogerie-und Bürowaren anbieten.

Das anhaltende Schimpfen über den Einkaufs-Stress beim Älter-Werden, kann ich heute durch meine Lösungen nicht mehr nachvollziehen.

ERGÄNZUNGEN ZUM THEMA: PSYCHISCHE PROBLEME NACH EINEM SCHLAG-ANFALL.

Diese Themen möchte ich mit Fragen anregen.

Intensiver und oft dringend notwendig wären aber umfassende und individuelle Beratungen, Psychotherapie oder Selbsthilfegruppen.

Als ich nach dem viermonatigen Reha-Aufenthalt wieder zu Hause war, musste ich einen Termin beim Neurologen machen. Ich war damals sehr erstaunt, dass er mich fragte: „Was sagen denn ihre Familie und Freunde, haben sie sich vom Charakter her durch den Schlaganfall verändert?“

Ich konnte das zunächst weder richtig einordnen noch beantworten.

Heute weiß ich, dass das ein ganz wichtiges Thema ist. Sowohl der Betroffene selbst als auch die Angehörigen, sollten erkennen, ob sich eine Depression entwickelt, da diese eine Genesung beeinträchtigen kann.

Ein Schlag-Anfall kann sowohl körperliche als auch psychische Gründe haben. Das Gehirn kann geschädigt worden sein und dadurch kann sich auch das Gefühlsleben verändern.

Eine Depression kann auch dadurch hervorgerufen werden, weil die plötzliche Konfrontation mit einer evtl. Todesnähe, der Verlust der Gesundheit und Selbstständigkeit, in den meisten Fällen gravierend ist. Der Betroffene und seine Angehörigen müssen diese Erfahrungen verarbeiten und verstehen, dass er sich evtl. verändert. Antriebslosigkeit, Konzentationsstörungen, geringes Selbstwertgefühl, Erschöpfung, aber auch Schlafstörungen und negative Zukunftsgedanken, sind häufig die Folgen.

Durch die einseitig gelähmte Körperhälfte ist die Beweglichkeit stark eingeschränkt oder total blockiert.

Die Veränderungen im sozialen Umfeld und der evtl. Verlust der bisherigen Wohnverhältnisse, können ebenfalls zur Depression führen, vorübergehend oder auch anhaltend.

Andere Patienten werden durch diese traumatischen Erfahrungen ängstlich, aggressiv, wütend oder extrem stur.

Ich nahm z.B. ziemlich bald bei mir selbst eine zunehmende Aggression und Reizbarkeit wahr, wenn Besucher mir schnelle Vorschläge machten, was ich aus ihrer Sicht noch tun könnte, um wieder stabiler zu werden. Am meisten hasste ich ihren Satz: „Du musst nur üben, das wird schon wieder.“

Meine (heimliche) Wut nahmen sie nicht wahr, denn diese Gefühle konnte ich lange gar nicht äußern. Verstanden habe ich das erst zu Hause, viele Monate später, als ich erstmals versuchte, mich gegen übergriffiges Verhalten zu wehren. Erst, als mir, durch therapeutische Gespräche, bewusst wurde, dass meine Stimmungen stark schwankten, konnte ich beginnen, mich meiner veränderten Lebenssituation zu stellen.

https://www.gesundheitsinformation.de/depression.html

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