„Gespräch ist gegenseitige distanzierte Berührung.“
Marie von Ebner-Eschenbach, Dichterin, 1830-1916
Gruppengespräche
Der DALAI LAMA, Lehrer des tibetischen Buddhismus, sagte einmal in einem Interview, dass jeder, der sich auf die Meinung eines anderen einlässt, zu einem Kompromiss bereit ist. Das gefällt mir deswegen so gut, da es bedeutet, dass es in dieser Kunst (und ein gutes Gespräch, ist Kunst), nicht um Recht-Haben, sondern Aushandeln, Arrangieren und Versöhnen geht. Im GUTEN GRUPPEN-GESPRÄCH mit anderen Menschen, geht es um Zuhören, Verständnis zeigen und Rückfragen stellen. Es ist ein Dialog, kein anhaltender Monolog.
Bei einem Gespräch mit mehreren Menschen, kann es gut und richtig sein, gemeinsame Regeln aufzustellen, damit jeder, auch der Schüchterne zu Wort kommt und auch der (zu) Expansive lernt, den anderen zuzuhören. Eine Regel sollte immer sein, den anderen in Ruhe ausreden lassen, nicht gleichzeitig reden, dem anderen nicht ins Wort fallen und jede Meinung gelten zu lassen. Den anderen ernst nehmen und nicht lächerlich zu machen, sollten weitere Ziele in einer guten Gesprächsrunde sein.
Solche Regeln, die ich vor meinem Schlag-Anfall in Gruppen gut anbieten konnte, konnte ich nach meinem Schlaganfall nicht mehr in Gelassenheit durchsetzen.
Beim allmählichen Älter-Werden, dachte ich, ich löse das Problem, indem ich höflich die anderen darum bitte, dass jeweils nur einer redet.
Ich dachte, ich müsste mir nur ein Hörgerät anschaffen und wäre damit auf der sicheren Seite.
Das waren aber beides Irrtümer und funktionierten deswegen gar nicht, weil die Technik, wenn zwei gleichzeitig reden, nicht befriedigend gelöst wird.
Ich nahm bei mir wahr, dass ich zunehmend den Gesprächspartnern gegenüber intoleranter wurde. Sie konnten (oder wollten) meine wiederholten Bitten, diese gemeinsam aufgestellten Regeln zu erfüllen, nicht einhalten.
Ich ging in die (heimliche) Wut und verlor das Interesse, weil ich den Gesprächen nicht mehr folgen konnte. Diese Spannungen löste ich für mich dadurch, dass ich zunehmend an keinen größeren Diskussionsrunden mehr teilnahm.
Meine weitere Konsequenz war, ich traf mich nur noch mit einem anderen Menschen. Dazu brauchte ich kein Hörgerät, hatte viel weniger Stress, war insgesamt entspannter und hatte wieder Freude am Austausch.
Zugegeben, das war ein längerer Prozess. Ich kann mich aber so heute wieder an einem guten Dialog erfreuen und habe dadurch mehr Freude und Zufriedenheit in mein Leben gebracht, statt mich mit mehreren Leuten zu treffen, aber mich (über die fehlende Rücksichtnahme )zu ärgern.
Das spezielle Thema Sprachstörungen, bedingt durch einen Schlaganfall, erfordern beim Betroffenen und seinem Umfeld insgesamt sowohl Verständnis, Toleranz als auch Wissen über dieses Handicap.
Anekdoten, Zeit verschenken, ist ein besonderes Geschenk.
Eine langjährige junge Freundin machte mir regelmäßig ein ganz besonderes Geschenk. Statt zu Hause auf dem Sofa zu liegen, wanderte sie mit mir in den Wald. Ja, sie haben richtig gelesen d.h. sie hatte ihr Smartphone dabei und sobald sie im Wald war, rief sie mich an. Dann redeten wir ein-bis anderthalb Stunden, während sie durch ihren geliebten Wald wanderte und mir erzählte, was sie dort alles erlebte, was sie beobachtete und wen sie traf. Wir erzählten uns auch aus unserem unterschiedlichen Alltagen, wälzten Probleme oder tauschten Buch-Empfehlungen aus. Sie fragte mich intensiv nach meinen Berufserfahrungen (denn ich hatte früher den selben Beruf wie sie heute.) Ich staunte immer wieder, was sich aktuell im Berufsalltag veränderte, verschlechterte und auch verbessert hatte.
Die Länge unserer Telefonate ist besonders, aber es wird nie langweilig. Da wir nicht in einer Stadt wohnen, haben wir uns lange nicht mehr gesehen aber wir sind dadurch trotzdem sehr intensiv im Austausch geblieben. Wir lachen auch viel.
Der Grund das Telefonat zu beenden, ist nicht, dass uns der Stoff ausgeht, sondern dass eine von uns dringend muss…
Es ist eine andere, aber ebenso beglückende Erfahrung, wie sich im Café zu verabreden. Der positive Unterschied: wir schleckern nichts Süßes. Und es sitzt kein Mensch direkt daneben und hört zu. Und es kostet gar nichts. Aber ein ZEIT-GESCHENK kann so viel mehr sein wie ein Kaffeegenuss, oder?
Eine ebenso beglückende Erweiterung ist die Tatsache, dass zwei weitere Freundinnen mir ausführlich aus ihren Urlauben berichten, mit Fotos und wunderbaren Mails. Auch das wird mir nie langweilig, sondern motiviert mich z.B. bei Mister Google nachzuforschen, wo sie gerade sind oder um dort von ihnen angeregte Themen zu vertiefen.
Ich habe erst durch die bewundernden Kommentare andere Freunde wahrgenommen, wie ungewöhnlich und begeisternd diese Geschenke sind. Ich weiß heute aber auch, dass es für die schenkenden Freunde ebenfalls eine gute Gemeinsamkeit ist, wenn sie mich so auf ihre Ausflüge und Reisen „mitnehmen“.
Um Gespräche in Gang zu halten, könnten diese unvollständigen Sätze eine Hilfe sein:
Ich bin behindert, weil…
Ich bin stolz, auf…
Ich bin zufrieden, wenn…
Ich bin erschöpft, weil…
Ich bin wütend, wenn…
Ich bin ohnmächtig, weil…
Ich bin glücklich, dass…
Ich bin einsam, weil…
Ich bin schmerzgeplagt, durch…
Ich werde froh sein, wenn…
Ich will etwas Neues lernen, wie…
Ich bin eifersüchtig, auf…
Ich erwarte (zu oft) ungefragt Hilfe, von…
Ich nehme mir vor, dass…
Ich bin wütend, auf…
Ich wünsche mir Heute, dass…
Ich will Morgen,nicht…
Ich bin dankbar, dass…
Ich brauche Hilfe, bei…
Ich bin gestresst, von…
Ich vergesse zu Lachen, weil…
Vorsatz:
Ich will nicht mehr Jammern, da dass weder mir noch Anderen, Erfolg und gute Stimmung bringt!
Dialog mit der Natur
Bis jetzt lebte ich mit mehreren kleinen Vögeln, Meisen und Spatzen, gemeinsam in Frieden auf meinem Balkon, aber die gestrige Erfahrung ließ mich umdenken.
Morgens um 6.00 Uhr wollte ich auf meinen Balkon treten, als ich hektische Bewegungen und ungewohnte Geräusche vernahm, der Balkon war übersät von Unmengen kleiner weißer Federn und Blut war auf den Brettern.
Erst da bemerkte ich, dass unter meiner Bank eine Taube saß, die auf etwas herumhackte. Panisch versuchte ich sie wegzuscheuchen. (In die Hände klatschen, geht mit einer Hand ja nicht.)
Was ich noch erkannte war, dass eine Taube(?) etwas Kleineres im Schnabel und in den Krallen hatte und mit wildem Geflatter damit schnell davonflog.
Um mich wieder zu beruhigen, klickte ich Google an und war fasziniert wie viele verwirrende und auch sehr unterschiedliche, Kommentare es dazu im Netz gibt. Ich hätte mich stundenlang informieren können…Ich entschied mich dazu, folgender Theorie zuzustimmen: die Taube(?), die der Angreifer war, war vermutlich ein kleiner Habicht, der eindeutig ein Raubvogel ist, ähnlich in Größe und Farbe wie eine Haustaube.
Da mir in den Tagen vor diesem Überfall aufgefallen war, dass zunehmend größere Vögel (zwei Tauben, zwei Stare, ein Specht), sich an meinen Meisenködeln erfreut hatten, begann ich umgehend diese abzubauen.
Ich bat meine Unternachbarin um Hilfe, zur Säuberung des Balkons, was ich definitiv alleine auch nicht händeln konnte.
Außerdem traf ich umgehend die Entscheidung, die Vogelfütterung meiner geliebten Meisen und Spatzen einzustellen.
Eine weitere Entscheidung, ich will jetzt nur noch einen Blumenbalkon haben. Dazu werde ich, mit Hilfe einer Freundin, in eine Gärtnerei fahren, um für den Sommer die Pflanzen zu kaufen, die Bienen und Schmetterlinge anlocken, denn sie passen besser zu einem friedlichen Zusammenleben auf meinem Sonnenbalkon.