Abenteuer

Als Abenteuer wird ein risikoreiches Unternehmen oder ein Erlebnis bezeichnet, das sich stark vom bisherigen Alltag unterscheidet. Es ist ein neues Wagnis, das interessant und faszinierend ist.

Sperrmüll
Ja, auch zu Hause kann ich Abenteuer erleben, wie ich am folgenden Beispiel erzählen möchte. Ich hatte mich entschieden im Winter meinen Keller aufzuräumen. Ich brauchte Platz für einen Rollator und einen Rollstuhl, die ich beide geschenkt bekommen hatte.
Darum klickte ich im Netz an: „Stadt-Reinigung“. Ich dachte, es sei ein Angebot der Stadt Berlin, für Sperrmüll. Am Freitag war das Telefonat und bereits für Montag kommender Woche, um 11.00 Uhr, wurde mir ein Termin angeboten, was mich zwar erstaunte, der Preis war 25 €, was mich erfreute.
Am Montag stellte meine Hilfe vier Teile vor meine Haustür.
Als die verabredete Zeit vorüber war, aber niemand kam, rief ich an und da hieß es am Telefon: „Entschuldigung, aber wir können erst um 13:00 Uhr kommen“.
Pünktlich, um 13:00 Uhr, stiegen vier Männer mit roten Westen aus meinem Fahrstuhl. Der Chef stürzte auf mich zu und sagte sofort im aggressiven Ton: „Das Zeug, was unten vor ihrer Haustür steht, kostet 98 Euro.“
Ich war entsetzt und versuchte mich zu wehren und ihm zu sagen, was mit mir verabredet worden war.
Er ließ mich nicht zu Wort kommen, beziehungsweise sagte sofort, noch aggressiver: „Wenn sie das nicht zahlen wollen, dann lassen wir alles unten stehen und fahren wieder weg, ich kann ihnen aber auch eine Quittung geben“.
Ich nahm bei mir eine zunehmende Angst vor dieser geballten ‚Männerfront’ wahr und hatte nur noch das Bedürfnis, diese ganz schnell wieder los zu werden und darum zahlte ich die geforderte Summe in bar.
Als dann, ganz schnell, alle verschwunden waren, stürzte ich ans Fenster, um zu sehen, was für ein Auto unten stand und stellte sowohl fest, dass sie meine Teile eingeräumt hatten als auch, dass der Name auf dem Auto, mit dem auf der Quittung identisch war.
Erst am Abend, als ich über alles noch einmal nachdachte, fiel mir ein, dass die Männer der Berliner Stadtreinigung Westen in Orange tragen. Ich klickte im Netz an, wer diese Firma ist und stellte fest, es ist eine Hamburger Firma.
Meine Angst und meine Panik, dass diese Männer mich auch hätten überfallen können, hielt an und ich konnte mich erst wieder beruhigen, als ich mehreren Freunden von diesem Abenteuer erzählte.
Als mir eine Freundin berichtete, dass ich ein typisches Problem erlebt hätte, dass nämlich die Firma, die am meisten bezahlt hatte, um so als erster Kunde wahrgenommen zu werden, mich kontaktiert hatte. Ihre Telefonnummer war im Netz nämlich riesengroß und die der Stadt-Reinigung sehr klein darunter. Klicke ich also Sperrmüll an, werde ich völlig falsch geleitet.
Zwar hatte ich zunächst vor, mich sowohl an die Stadt als auch an die Polizei zu wenden, habe mich aber dagegen entschieden. Weil ich mich davon sowohl überfordert fühlte als auch nur noch wieder in Frieden leben wollte. Es war mir insgesamt zu kompliziert. Ich habe einiges dazu gelernt, denn wieder einmal muss es für mich heißen: „Du musst langsamer werden, wenn du um Hilfe im Netz anklickst.“
Die ganze Geschichte drehte sich für mich anschließend sehr erfreulich, da mir mein Ergo-Therapeut angeboten hat: „Wenn sie noch mal sowas haben, sagen sie mir Bescheid und ich fahre mit meinem Auto zur Stadt-Reinigung, die nehmen den Sperrmüll umsonst ab.“

Waschmaschine
Ich hatte eine WASCHMASCHINE, die seit zwölf Jahren perfekt gelaufen war, aber jetzt hatte sie einen Deckel, der einen breiten rostigen Rand hatte. Ich bestellte über Amazon einen neuen.
Diesen bekam ich auch nach zwei Tagen – und dann stand der Deckel erst einmal im Bad herum. Das ist aber in meinem Fall eine Sturzgefahr. Zwei Männer aus dem Freundeskreis, die ich um Hilfe bat, diesen Deckel einzubauen, lehnten den Einbau ab, mit dem Hinweis, das sei ihnen zu schwierig. Wie recht sie damit hatten, verstand ich erst später.
Ich schrieb per Mail eine Firma an, mit der Bitte mir zu helfen, ohne je eine Antwort zu bekommen.
Die zweite Firma, die mir empfohlen worden war, antwortete einen Tag später und schon am dritten Tag, kam ein freundlicher Handwerker.
Dieser legte sofort los, baute den alten Deckel aus, der tatsächlich von unten total verrostet war. Aber als ich schon „Juchuuh“ rief, weil ich dachte, es sei schon geschafft, sagte er nur trocken: „Der neue Deckel geht gar nicht zu, weil er den Schnapper auf der anderen Seite hat.“
Meine Stimmung sackte in den Keller. Er klickte auf sein Handy, um mir dann mitzuteilen: „Den Deckel, den sie hatten, den gibt es nicht mehr.“
In mir lief sofort ein Film:
Karton besorgen (der alte war schon entsorgt), Deckel einpacken, zur Post bringen lassen, denn bei jedem Schritt brauche ich als Einhänderin Hilfe…
Als er mit Tippen fertig war, sagte er nur: „Ich kann zwar kein Multitasking, aber ich habe Ehrgeiz“, was mir wieder Hoffnung machte. Und dann begann er das, was ich nie erwartet hätte. Er nahm zunächst meinen verrosteten Deckel total auseinander, griff sich den neuen und baute den kleinen, entscheidenden Schnapper richtig herum in den neuen Deckel ein.
Das Geheimnis, dieser nette und pfiffige junge Mann, hatte eine Lehre als MECHATRONIKER gemacht. Von dem Beruf hatte ich bis dahin noch nie gehört, er hatte sich spezialisiert auf die Reparaturen alter Haushaltsgegenstände. Ich empfehle ihn hiermit gerne weiter.

Beim Frühstück
Ich saß am Frühstückstisch. Als ich aus dem Fenster sah, stellte ich voller Schrecken fest, im Baum gegenüber meines Hauses, saß ein Mensch. Keine Ahnung, wie er da hinauf gekommen war. Er war auf der Höhe des zweiten Stockwerks. Nirgendwo war ein zweiter Mensch zu sehen. Ich sah auch kein Auto, mit einer Hebebühne. Da die Entfernung sehr groß war, entdeckte ich erst nach genauerem Hinsehen, mit Hilfe eines Fernglases, dass mehrere Drahtseile von unten bis zur höchsten Astspitze des Baumes liefen. Ich begann zu verstehen, dass er die Aufgabe hatte, den alten Ahornbaum von morschen Ästen zu befreien.
Stundenlang beobachtete ich fasziniert wie der junge, sportliche Mann (übrigens ohne Helm), sich in diesem Baum bewegte und dabei hier und da Äste abschlug, absägte oder sich an den Drahtseilen entweder noch höher zog oder nach unten abseilte.
Es blieb die Frage, wie war er dort hinauf gekommen? Nach Stunden, ich musste dringend auf die Toilette (er vielleicht auch?), sah ich, als ich wiederkam, dass er auf der Erde herumlief und die zahlreichen Äste einsammelte. Wie er heruntergekommen war, hatte ich verpasst.
Dank Mister Google, konnte ich mich anschließend aufklären. Er ist ein Baumkletterer, mit einer speziellen Ausbildung für Seilunterstützende Baumklettertechnik.
Ich habe jetzt eine große Hochachtung vor diesem schwierigen Beruf bekommen. Beim Lesen wurde ich aber nicht eingeweiht, wie das Seil bis an die Spitze des Baumes gelangt und dort verankert wird.
Während meiner stundenlangen Beobachtungen, fiel mir ein, dass ich vor circa zwei Jahren mit einigen Nachbarn im Park saß, zum gemeinsamen Abendessen. Plötzlich, es war total windstill, krachte, ohne Ankündigung, circa vier Meter neben uns, ein großer, morscher Ast herunter. Wären wir getroffen worden, hätte er uns alle erheblich verletzt. Ich informierte darüber umgehend die Hausverwaltung.

Fahrstuhl
Eine Freundin war an einem Sonntag bei mir zu Besuch. Sie hatte sich gerade von mir verabschiedet und stieg in den Fahrstuhl.
Eine Minute später, kam ein Handy Anruf von ihr: „Ich stecke im Fahrstuhl fest.“
Ich humpelte in Panik zum Fahrstuhl, drückte auf den Knopf und da stand sie vor mir. Uns war klar, es gab anscheinend eine Unregelmäßigkeit. Darum ging sie sicherheitshalber lieber durch das Treppenhaus nach Hause.
Ich ging dann noch mal zum Fahrstuhl, drückte von außen auf den Knopf, da ging die Tür zwar auf, aber sofort wieder zu. Ich hatte gar keine Chance einzusteigen und hätte es auch nicht gewagt.
Obwohl ich wochenlang nicht durch das Treppenhaus gehumpelt war (ich kann die Treppe nur rückwärts runtergehen), traute ich es mir jetzt zu. Denn ich wollte zum Pförtner gehen und ihn um Hilfe bitten. Seine sture Reaktion: „Ich kann und darf ihnen dabei nicht helfen.“ Natürlich war ich wütend und ging wieder in die Wohnung. Ich suchte und fand die Nummer der Fahrstuhlfirma. Die Ansage war aber in so schneller Sprechweise, verknüpft mit vier wichtigen Informationen, so dass ich mir die Ansage vier Mal anhören musste, um sie zu verstehen. Der Kommentar, den ich dann endlich verstand war, sie können mir nur helfen, wenn ich die Fahrstuhlnummer ansage. Neues suchen. Ich fand die Nummer tatsächlich, denn sie hing an meiner Wohnungstür.
Jetzt konnte ich anrufen und da war wirklich eine echte Frau direkt am Telefon und nicht eine Ansage und das alles ohne Warteschleife.
Die freundliche Frau fragte: „Wie kann ich ihnen helfen?“ Sie versprach mir umgehend jemanden zu schicken. Jetzt rief ich bei Nachbarn an, um zu vermeiden, dass diese im Fahrstuhl stecken blieben und bekam großes Lob von allen Seiten für mein Tun.
Bereits nach einer Dreiviertelstunde, klingelte es an der Wohnungstür. Ein freundlicher Handwerker, ließ sich von mir berichten und kontrollierte alles. Er war nett und verständnisvoll und bestärkte mich darin, dass ich alles richtig gemacht hatte.
Anschließend wieder mehrere Telefonate mit den Nachbarn. Ich war stolz auf mich, dass ich das wuppen konnte: Ich war nicht in meiner Wut auf den Pförtner geblieben, hatte allein meine Lösung gesucht und hatte es nicht auf Morgen verschoben, denn ich weiß, dass ich bei der Hausverwaltung erst einen schriftlichen Antrag hätte stellen müssen.

Und noch ein Vorteil, ich war das erste Mal wieder mutig die Treppe rückwärts gegangen und konnte mich auch, mit viel Kraft, wieder am Handlauf nach oben ziehen.
Am nächsten Tag ging ich noch zum Pförtner, um ihm verständlich zu machen, wie sehr ich mich mit dem Problem alleine gelassen gefühlt hatte, er war aber wenig einsichtig. Trotzdem, so konnte ich meine Wut loswerden.

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