Im Frühling und Sommer habe ich nicht nur eine Zwei-, sondern eine Drei-Zimmer-Wohnung, wobei mir mein drittes ZIMMER in dieser Zeit insgesamt das liebste ist. Durch die oft noch fehlende Kraft täglich einen Spaziergang draußen machen zu können, ist das natürlich ein ganz besonderes Geschenk so einen Balkon zu haben, mit Sonne satt, von neun bis siebzehn Uhr. Bei extremer Hitze ist es aber auch oft zu heiß.
Darum sitze ich auch im Herbst und Winter draußen, mit Decke.




Gerade sah ich im Nachbargarten wie ein Eichhörnchen elegant von einem Baum zum anderen hüpfte. Das ganz in Ruhe vom Balkon aus zu beobachten, ist für mich heute schon etwas sehr Besonderes. Ich genieße das immer wieder sehr, denn um in Ruhe zu schreiben oder meinen Gedanken nachzugehen, reichen mir oft solche Erlebnisse.

Wolken sind übrigens auch ein ganz besonderes Thema, um mich zu entspannen, ebenso wie Wind mit seinen differenzierten Wahrnehmungen. Obwohl ich nicht mehr auf Wanderschaft gehen kann, meine Gedanken können dies noch.

Viel Freude habe ich an verschiedenen Vögeln auf meinem Balkon. Auf Empfehlung vom NABU (Naturschutzbund), füttere ich inzwischen auch im Sommer, obwohl das immer wieder kontrovers diskutiert wird. Der Grund? Da es zunehmend zu wenig Insekten und hier auch keine Obstbäume gibt. Ich bin heute sicher, ich DARF füttern, weil mir das Freude macht und mich entspannt.
Derzeit kommen täglich mehrfach: Vier Meisen, drei Spatzen, zwei Kleiber, ein Rotkehlchen und hin und wieder, ein Eichelhäher und ein Buntspecht.
Vor drei Jahren, war einige Tage regnerisches Wetter. Als ich dann endlich auf dem Balkon sitzen wollte, hatte eine Amsel in diesen Tagen ein Nest gebaut und darin lagen fünf Eier.

Ich war einerseits fasziniert und andererseits EMPÖRT, dass ich dadurch nicht mehr (vorübergehend) auf meinem Balkon sitzen konnte. Aber ich entschied mich für eine friedliche Kooperation mit der Amsel, jedenfalls so lange wie sie das Nest brauchen würde.
Ich habe dann an einem Tag, ca. siebzehn Uhr die Eier gezählt und als ich zufällig gegen achtzehn Uhr wieder hinschaute, lagen dort nur noch vier. So ging es tatsächlich an vier Tagen weiter, es verschwand pro Tag jeweils ein Ei.
Einerseits war ich traurig, weil ich mich schon auf die Beobachtung der Vögelchen gefreut hatte und andererseits war ich froh, dass ich wieder meinen Balkon ganz für mich alleine hatte.
Ich sah nie einen Nesträuber, aber ich vermutete, dass es entweder ein Eichelhäher oder ein Buntspecht war. Ich schenkte das leere Nest der kleinen Enkelin einer Nachbarin, damit die Amsel bei mir nicht noch einmal brüten konnte, denn das Sitzen auf dem Balkon ist im Sommer MEIN LEBEN.
Und wieder einmal war ich froh, dass ich mit Mister Google umgehen und mich gleich informieren konnte, ob das stimmt, was ich noch aus der Schule zu wissen glaubte, dass Eichelhäher und Spechte Nesträuber sind und stellte erstaunt fest, ja, das stimmt. Denn das dicke Vogelbuch meines Vaters, das noch immer in meinem Regal steht, herauszuholen und darin zu suchen, ist für mich als Einarmige eine nur schwer machbare Aktion und macht darum auch keinen Spass mehr, da das Buch doch nur herunterfallen würde…heute google ich darum lieber.
Das high-light in diesem Sommer: Da ich weiterhin die Vögel füttere, beobachtete ich eine große Meise, wahrscheinlich die Mama, wie sie eine kleine, zarte Meise fütterte. Diese streckte ihr den offenen Schnabel hin. Aber vorher hatte die Mama, was sie sonst nie tat, einen Sonnenblumenkern am Rand des Tisches zerkleinert. Das wiederholte sie mindestens zehn Mal. Sonst schnappte sie sich einen Kern, flog sofort hektisch weg und kam irgendwann noch einmal wieder.
Diese Beobachtungen sind für mich Entspannung pur. Ich freue mich dann auch über die vielen guten Erinnerungen an meinen Vater, der ebenfalls, bis in sein hohes Alter, Vögel im Garten beobachtete. Er legte sich öfter eine Schallplatte mit Vogelstimmen auf und freute sich, wenn er sie richtig erkannt hatte. Auch dieses Konzept ist durch Youtube umsetzbar.
Ich nehme mir für diesen Sommer folgendes fest vor: Angeregt durch einen Film über WILDVÖGEL IN BERLIN, kam ich auf die Idee, ich könnte doch, demnächst einmal, ganz früh aufstehen (denn am frühen Morgen, muss ich öfter mal auf die Toilette).
Und dann, statt zu lesen, um wieder einzuschlafen, möchte ich die Entscheidung treffen, ich kuschel mich nicht wieder ein, sondern ziehe mir eine dicke Jacke an, koche mir einen Kaffee und setze mich mit Stift, Block und Ipad auf meinen Balkon. Ich warte dann, ob ich Vögel höre und was sich sonst dort draußen tut, denn auch der Himmel wird anders aussehen, wie um sieben oder acht Uhr.
Ideal wäre es natürlich, wenn es einen schönen Sonnenaufgang geben würde, denn den könnte ich von meinem Balkon aus gut sehen. Darum werde ich vorher den Wetterbericht ansehen, wann die Sonne aufgeht, denn dieses Naturereignis verschlafe ich normalerweise.
Dieses ABENTEUER habe ich früher bei verschiedenen Landurlauben gemacht, warum also heute nicht vom Balkon aus? Ich werde später davon berichten, da ich es in diesem Jahr noch nicht geschafft habe.